Öffentlichkeitsarbeit: Stadt ellwangen

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Öffentlichkeitsarbeit

Das Stadtarchiv...

...wirkt bei der Vermittlung der Ortsgeschichte mit. Es arbeitet dabei mit anderen Einrichtungen zusammen (Geschichts- und Altertumsverein, Alamannenmuseum) oder bietet eigene Veranstaltungen an. Regelmäßig nimmt das Stadtarchiv am Tag des offenen Denkmals teil. In unregelmäßigen Abständen und nach Vereinbarung bietet das Stadtarchiv Führungen durch seine Räumlichkeiten an, zu denen seit 2017 auch die Historische Lehrerbibliothek am Peutinger-Gymnasium gehört.

Archivalien des Monats

In der Reihe „Das Archivale des Monats“ präsentiert das Stadtarchiv alle vier Wochen ein Objekt zur Ellwanger Stadt- und Heimatgeschichte. Meist handelt es sich dabei um Dokumente zu unterschiedlichsten Aspekten der Stadt-, Verwaltungs- und Alltagsgeschichte. Aber auch Objekte werden gezeigt, die man nicht unbedingt in einem Archiv vermuten würde.

Hier können Sie die bisher ausgestellten Archivalien und ihre Geschichte nachlesen.

Juni 2020 - Sozialbetrug im 16. Jahrhundert

Am 3. März 1585 wurde in Frankfurt am Main ein gewisser Balthasar Gentner verhaftet, da er mit mutmaßlich gefälschten Papieren beim Betteln angetroffen worden war. Seinen Angaben zufolge kam er aus Ellwangen und wollte dort 26 Jahre lang Schreiber und Kassier des Ellwanger Stiftskapitels gewesen sein. Dieses habe ihm auch die mitgeführten Dokumente, darunter einen sogenannten Bettelbrief ausgestellt. Wegen seiner Schulden sei er aus Ellwangen entwichen. Im Verhör stellte sich (ohne Anwendung von Folter) heraus, dass Gentner sich die Papiere illegal verschafft hatte und die Siegel aus einer Würzburger Fälscherwerkstatt stammten. Ende April 1585 bat der Frankfurter Magistrat die Ellwanger Räte um Auskunft über Balthasar Gentner und die Umstände seines Weggangs aus Ellwangen.

Was ist ein Bettelbrief? 

Verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation, nimmt die Zahl der Sozialhilfeempfänger zu. Das war vor Jahrhunderten nicht anders. Auch damals gab es Sozialbetrug, dem man beizukommen versuchte: Da sich unter die Notleidenden auch viel zwielichtiges Gesindel mischte, war das Betteln in vielen Städten und Regionen nur solchen Personen erlaubt, die nachweislich außerstande waren, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen oder die unverschuldet in Not geraten waren. Zur Legitimation erhielten sie einen sogenannten Bettelbrief. In diesem Ausweisdokument wurden die Umstände der Notlage geschildert und dem Inhaber eine fromme Gesinnung bescheinigt. Obrigkeit und Bevölkerung wurden aufgefordert, der Person mildtätig und wohlwollend zu begegnen.

Dementsprechend erzählt Gentners gefälschter Bettelbrief eine zu Herzen gehende Geschichte: Ihm, seiner Frau und seinen sechs kleinen Kindern habe man „bey nächtlicher Weil, durch Diebstall […] alle seine fahrnuß entnommen, darzu feür eingelegt, die behausung abgebrantt, dardurch er nit allein Verdorben, Vnnd In armuth kommen, sondern auß schreckhen dessen, ettwas In ein Vnuernunfft gefallen, Vnnd solcher leibs beschwerung noch nit gentzlich los“. Gentner sei also über so viel Unglück auch noch seelisch krank geworden. Darum habe das Stiftskapitel zu Ellwangen nicht gezögert und ihm „auß schuldigem Christlichem mittleiden“ den Bettelbrief ausgestellt, damit Gentner „bey frommen Christenleüthen hülff bitten Vnd […] sich In seinem grossen Verderben, Vnfall Vnnd Schmertzlichen Ellendt erholen möcht.“

Die Rückantwort des Ellwanger Stiftsdekans folgte mit Schreiben vom 4. Mai 1585 und rückte ein paar „Details“ zurecht: Gentner habe tatsächlich einige Jahre als Kassier des Stifts Ellwangen gearbeitet, sei aber wegen seiner Unzuverlässigkeit und Trunksucht entlassen worden. Durch nachlässiges Führen der Bücher habe er erhebliche Fehlbeträge angehäuft. Da er sich gegenüber Würdenträgern des Stifts wiederholt der üblen Nachrede schuldig gemacht habe, sei er des Landes verwiesen worden.

Die Folgen seines Vergehens bekam Balthasar Gentner hautnah zu spüren, als er am 26. Juni 1585 in Frankfurt am Main „mit Ruten ausgehauen“ wurde – eine damals vergleichsweise milde Bestrafung für einen Urkundenfälscher.

Stadtarchiv Ellwangen, UB 1585/1

Mai 2020 - Ressourcenschonender Behördenstreit, 1917/18

Die meisten von uns haben in den vergangenen Wochen und Monaten zum ersten Mal in ihrem Leben Engpässe bei der Versorgung mit alltäglichen Verbrauchsgütern erlebt, denn plötzlich gab es kein Klopapier mehr. Was aber, wenn auch ganz normales Papier knapp wird? Im vorliegenden Fall müssen wir gut 100 Jahre in der Zeit zurückgehen, nämlich ins Jahr 1918. Vieles war, bedingt durch den Krieg, längst rationiert oder gar nicht mehr zu bekommen.

Im November 1917 hatte sich zwischen der Gemeinde Ellenberg und dem Königlichen Oberamt Ellwangen ein kleiner Behördenstreit entsponnen, der sich bis weit ins Jahr 1918 hinein fortsetzte. Das Oberamt Ellwangen war ein Verwaltungsbezirk, der damals grob von Lauchheim bis Jagstzell und von Bühlertann bis zur bayerischen Grenze reichte. Die Gemeinde Ellenberg hatte im Herbst den Ertrag von etwa 20 Bäumen an der „Rotsteige“ verkauft und dabei 35 Mark und zehn Pfennige zugunsten der Gemeindekasse eingenommen. Davon hatte die Oberamtspflege, die für die Finanzen des Oberamts zuständig war, Wind bekommen. Sie forderte einen Anteil, da einige dieser Bäume auf Kosten des Oberamts gepflanzt worden waren. Das Schultheißenamt Ellenberg machte wenig Anstalten, die Einnahmen mit der Finanzbehörde der Amtskörperschaft zu teilen und stellte sich „dumm“.

Der hier gezeigte Dienstbrief wurde nicht weniger als sechsmal verschickt und jedes Mal um eine weitere Antwort bzw. Rückantwort erweitert. Er ist deshalb übersät mit einer verwirrenden Menge von Textblöcken, Stempeln und Briefmarken. Im behördlichen Schriftverkehr war es früher durchaus üblich, ein Schreiben auf demselben Blatt zu beantworten, doch dieser Brief geht über das normale Maß hinaus. Hier sollte eindeutig Papier gespart werden. Leider enthält der Briefbogen nicht den gesamten Vorgang, weshalb der Ausgang der Sache nicht bekannt ist. Ob die Oberamtspflege ihren Anteil von den Ellenberger Obstbäumen wohl bekommen hat?

Bestand Kleinerwerbungen, J 607/2

März/April 2020 - „Küchenzettel“, 1737

Das Archivale des Monats März/April stammt aus dem Jahr 1737 und damit aus der Regierungszeit des Fürstpropsten Franz Georg von Schönborn, dessen Bautätigkeit der Stadt Ellwangen viel von ihrem heutigen Erscheinungsbild zu verdanken hat. Es handelt sich um die Speisenfolge einer sogenannten „Gerichtsmahlzeit“, an der die Mitglieder des Stadtgerichts teilgenommen hatten. Als Stadtgericht bezeichnete man bis ins 18. Jahrhundert den Stadtrat, der damals noch Recht sprechen und Gerichtsurteile fällen durfte.

Die als Gerichtsverwandte oder Stadtgerichtsschöffen bezeichneten Ratspersonen wurden bei Bedarf nachgewählt, sobald einer von ihnen ausgeschieden war. Dabei wurden üblicherweise drei als geeignet angesehene Männer aus der Ellwanger Bürgerschaft vorgeschlagen und einer von ihnen durch Votum zum Nachfolger bestimmt. Die Kandidaten wurden übrigens nicht gefragt, denn in bemerkenswerter Klarheit stellt das Ratsprotokoll fest, dass sonst keiner von ihnen, „wann es auf deren freyen Willen angekommen were, sich in dem Stattgericht befinden würde.“ Dass Leute tatsächlich gegen ihren Willen in den Gemeinderat gewählt wurden, belegt ein Vorgang, der sich wenige Jahre später abgespielt hatte: 1740 wehrte sich ein „Gewinner“ gegen seine Wahl mit der Begründung, dass er sich die Übernahme des Amtes wegen seiner Schulden und seiner vielen Kinder nicht leisten könne.

In der Tat war dieses Ehrenamt mit erheblichen Kosten verbunden, denn jeder neu Gewählte musste zunächst einmal das sogenannte Rekognitionsgeld an seine Kollegen und einige Funktionsträger, darunter den Stadtvogt und den Pfarrer, bezahlen. Das reichte von anderthalb Gulden pro einfachem Ratsmitglied bis zu vier Gulden für den Stadtschultheißen und summierte sich zu einem stattlichen Betrag. Anschließend war es Sitte, das gesamte Stadtgericht zum Essen auszuführen. Die Kosten für das Mahl, bei dem es an nichts fehlte, konnten ohne Weiteres zwischen 60 und 100 Gulden ausmachen und damit das Jahreseinkommen eines Handwerkers überschreiten. So mancher Ellwanger Bürger dürfte bei diesen Aussichten nervös geworden sein, sobald im Stadtgericht wieder ein Stuhl vakant wurde.

Bei der Gerichtsmahlzeit vom 2. Dezember 1737 feierte Johann Ostertag, der Weißochsenwirt, seinen Einstand als Ratsmitglied. Dass Ostertag ins eigenen Haus eingeladen hatte, ist naheliegend, aber nicht belegt. Stolze 21 Gänge wurden den Herren vorgesetzt. Es ist ein seltener Glücksfall, dass diese Zusammenstellung zeitgenössischer Speisen in Form eines „Küchenzettels“ erhalten geblieben ist. Im Einzelnen wurde aufgetragen (wörtliche Transkription):

1. Suppe mit Hennen

2. Kalbs Kopf mit gebachen Kalbsfüß

3. Rindtfleisch mit Kren

4. Carviol mit Carbinat und Brath Würst

5. Postetten mit junge Hüner

6. gebratten Span saü

7. Schwarz Wildtpräth

8. Wälsche stuckh

9. Gedänffte Eittene

10. Gebrattene Vögel

11. Hecht in der Butter Brüehe

12. Gebratten Rehe schlägel mit Rapper Brüehe

13. Specerey tourth

14. gebratten feldt Hüener oder Schnöpfen

15. Blau abgesotten Karpfen

16. Gebratten Hasen mit Raum Brüehe

17. Gebrattene Koppen

18. Stenckh tourt

19. Gebratten Kalbsschlägel

20. Schüncken

21. Sallath

Die meisten Gerichte würde man sich auch heute noch schmecken lassen, auch wenn sich manche Bezeichnung oder Gewohnheit geändert hat. Ein „Welsches Stück“ stünde heute als Pute auf der Karte. Rindfleisch wird heute nur noch wenig gegessen, dafür umso mehr „Beef“, und den Salat isst man heute eher als Vorspeise.

Anton Rathgeb konnte sich übrigens erfolgreich gegen seine Wahl zum Gerichtsverwandten wehren, nachdem er den Fürstpropst mit einem flehentlichen Brief um Beistand gebeten hatte. Dadurch war der Landesherr erst auf den Brauch des Stadtgerichts aufmerksam geworden und war über die sündhafte Völlerei nicht erfreut. Noch im selben Jahr wurde die Gerichtsmahlzeit abgeschafft und verboten.

Bestand EL, A IX 9/2

Januar 2020 – Reichstaler, 1623

Der „Münzschatz von Ellwangen“, der als einer der bedeutendsten seiner Art im süddeutschen Raum gilt, wurde 2017 von Sondengängern entdeckt. Er ist noch bis zum 19. Januar im Rahmen einer Sonderausstellung im Alamannenmuseum zu besichtigen. Ein anderer nicht alltäglicher Fund wurde im Herbst des vergangenen Jahres von einer Ellwanger Bürgerin beim Ausführen ihrer Hunde gemacht: Von einem Acker in der Nähe des Rabenhofs apportierte einer der Vierbeiner nicht etwa das Stöckchen, sondern brachte stattdessen ein Stück Metall mit. Das stellte sich als Reichstaler aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges heraus.

Die Hundebesitzerin verhielt sich vorbildlich und meldete den Fund über die Stadtverwaltung dem Landesdenkmalamt. Da solche Stücke nicht übermäßig selten sind und die recht zerschrammte Münze weder von materiell noch wissenschaftlich überragendem Wert war, durfte die Finderin den Taler behalten und überließ ihn gegen eine angemessene Entschädigung dem Stadtarchiv.

Dieser Silbertaler, der keine Wertangabe trägt, stammt aus dem Jahr 1623. Die Vorderseite (Avers) zeigt das Konterfei des Römisch-Deutschen Kaisers Ferdinand II., während auf der Rückseite (Revers) das Habsburgerwappen abgebildet ist. Die Randschrift auf beiden Seiten gibt – in lateinischer Sprache und stark abgekürzt – die wichtigsten Titel des Kaisers wieder. Talerstücke wie dieses waren im gesamten Heiligen Römischen Reich gültig.

Sammlungsbestand Objekte/Numismatik

Dezember 2019 – Der „Thurn“, 1783

Actum Thannenburg den 27ten Oct. 1783

Amtsknecht Eder von Bühlerthann bringet einen Arrestanten Nachts 7. Uhr zu Amt mit der Anzeig, daß dieser Pursch sich schon 3. Tag in Bühlerthann in den Wirthshäusern mit Sauffen aufhalte, und mit Fluchen und Sacramentieren sich ärgerlich vergehe […]

Arrestant [wurde] vorgeführet, da selber aber solchergestalten bezechet gewesen, daß von ihme keine adäquate Antwort zu erhalten ware, und derselbe nebenbey ganz unverschamt über das Amt zu schmähen angefangen, hat man ihne durch den Amtsknecht in den Thurn bringen und daselbst mit Wasser und Brod, dann einer warmen Suppen verpflegen lassen, bis er wieder ausgenüchteret.

(Protokoll über die Ausnüchterung eines Betrunkenen im Ortsarrest zu Bühlertann)

Eine Arreststrafe im „Thurn“ konnte seinerzeit z.B. vom Schultheißen verhängt werden und von einigen Stunden bis zu wenigen Tagen dauern. Typische Vergehen, die auf diese Weise geahndet wurden, waren – wie in dem hier geschilderten Fall – Volltrunkenheit und Respektlosigkeiten gegen die Ortsobrigkeit. Auch für Kleinstdelikte mit geringem Streitwert konnte man „in den Turm gelegt“ werden.

In Ellwangen befand sich die Arrestzelle im Steinernen Tor am Ende der Marienstraße. Nach dessen Abbruch 1824 wurden Arrestanten in ein Zimmer im neu erbauten Torhaus (heute Döner-Imbiss) gesteckt. Der Begriff „Turm“ blieb jedoch noch eine ganze Weile im Gebrauch, sodass man sich zumindest ab diesem Zeitpunkt kein zugiges Verlies mehr vorstellen muss, wenn von Haft im Turm die Rede ist.

Im Dachgeschoß des Pfahlheimer Rathauses sind heute noch zwei Arrestzellen mit Holzpritsche, Toiletteneimer und Holzofen (der nur vom Flur aus beheizbar war) erhalten. Dieser Ortsarrest soll noch bis um 1950 herum benutzt worden sein – als Ausnüchterungszelle.

Bestand EL, B V 4/520

November 2019 - Staatshandbücher, spätes 18. Jh.

Die sogenannten Staatshandbücher oder -kalender waren ein unverzichtbares Werkzeug für Behörden, um im Schriftverkehr mit den Herrschaftsgebieten in nah und fern immer auf dem aktuellsten Stand der dortigen Verhältnisse zu sein.

Die Bücher gliedern sich in einen überregionalen und einen regionalen Teil. Meist sind beide Teile in einem Buch zusammengefasst, manchmal liegt das Werk aber auch in zwei Bänden vor.

Der überregionale Teil widmet sich den gekrönten Häuptern des Kontinents in absteigender Rangfolge, angefangen mit dem Römisch-Deutschen Kaiser Joseph II. Stets werden auch die näheren genealogischen Verhältnisse der Herrscher und gegebenenfalls deren Legitimation erläutert. Es folgen die europäischen Könige, Kur- und sonstige Fürsten, Grafen und die Hofstaaten mit den Regierungsangehörigen und wichtigsten Beamten. Auch die wenigen freien Republiken sind gelistet, darunter die Schweiz und Venedig. 

Der zweite Teil befasst sich mit den Herrschaften des Schwäbischen Reichskreises, zu dem auch die Fürstpropstei Ellwangen gehörte. Dem Staatshandbuch von 1780 ist zu entnehmen, dass Anton Ignaz aus dem Hause Fugger-Glött derzeit amtierender Fürstpropst zu Ellwangen war, die Regierungsgeschäfte jedoch vom Coadjutor Clemens Wenzeslaus von Sachsen besorgt wurden. 1787 war Clemens Wenzeslaus selbst zum Fürstpropsten und Herrn zu Ellwangen aufgestiegen. Im Staatshandbuch von 1792 (aufgeschlagen) war diesem Umstand natürlich längst Rechnung getragen worden.

Das Staatshandbuch ist also auch als Quelle für Historiker und Geschichtsinteressierte von Interesse.

Bestand Archivbibliothek

Oktober 2019 - Juristisches Gutachten, 1734

Matthias Carl, 26 Jahre alt und aus dem Fränkischen stammend, war als Jugendlicher von seinem Lehrherrn ausgerissen und hatte sich daraufhin in Dinkelsbühl dem kaiserlichen Heer angeschlossen. Aber auch bei den Soldaten hielt er es nicht lange aus. Nach einem Fluchtversuch wurde er mit der damals üblichen Strafe des Spießrutenlaufens belegt, die er offensichtlich überlebt hatte. Nach einer weiteren missglückten Desertion schnitt man ihm die Ohren ab und jagte ihn davon. So stigmatisiert war er ein Ausgestoßener und ein Leben als Vagabund war damit vorgezeichnet. Immer wieder kam er mit der Obrigkeit in Konflikt.

Am Palmsonntag 1734 überfiel er schließlich südlich von Schwäbisch Gmünd „bei dem Kreuz auf freiem Feld“ zwischen Rechberg und Waldstetten die 18-jährige Maria Gundhard. An ihr scheint er seinen gesamten Frust ausgelassen zu haben: Er erwürgte die junge Frau und verstümmelte sie im Genitalbereich.

Gleich nach der Tat ging Matthias Carl ins Wirtshaus ins benachbarte Strassdorf, wo er die Wirtstochter bedrohte und sich durch finstere Andeutungen verdächtig machte. Noch an Ort und Stelle wurde er festgenommen. Seinen jüngst begangenen Mord und zahlreiche andere Taten gestand er freimütig. Er sei des Lebens müde, da alle ihn „weegen seines ohren Mangels verachtet“ hätten. Da sich der Tatort auf propsteilichem Gebiet befand, wurde das Gerichtsverfahren in Ellwangen abgehalten.

Das hiesige Stadtgericht hatte von alters her das Recht, über Leben und Tod zu urteilen, tat dies aber nicht etwa nach Gutdünken. Stets holte man vorher ein juristisches Gutachten ein. Die Rechtsgelehrten der juristischen Fakultät an der Universität Ingolstadt hielten im Falle des Matthias Carl die verhältnismäßig gnädige Todesstrafe durch Enthaupten für angemessen, denn „Melancholie“, die man Carl attestierte, wurde als mildernder Umstand gewertet. Allerdings wirkte sich die unerhörte Grausamkeit, mit der Carl sein Opfer zugerichtet hatte, wiederum strafverschärfend aus. Daher sollte der Delinquent auf dem Weg zur Richtstätte zweimal mit einer glühenden Zange gekniffen und darüber hinaus nach der Enthauptung wie ein Straßenräuber auf das Rad gelegt werden, den Vögeln zum Fraß.

Das letzte Wort vor der Urteilsvollstreckung hatte der Fürstpropst, der die Richtersprüche oft noch etwas abmilderte. Einen landesherrlichen Gnadenerlass scheint es im vorliegenden Fall aber nicht gegeben zu haben. Das Urteil wurde am 4. Juni 1734 auf der Richtstätte an der Dalkinger Straße vollstreckt.

Bestand EL, B V 4/B (Kriminalakten)

September 2019 – Marksteinzeugen, spätes 19. und frühes 20. Jh.

Seit Menschen Besitzansprüche an Grund und Boden erheben, werden diese verteidigt und möglichst genau dokumentiert. Während die moderne Vermessungstechnik heutzutage ein klares Bild der Eigentumsverhältnisse zeichnet, war die Dokumentation der Grenzen früher eine Frage von Vertrauen und Integrität. Jede Gemeinde bestellte einige zuverlässige und ortskundige Bürger, die das sogenannte Untergangsgericht bildeten und für das Setzen und Überprüfen der Marksteine verantwortlich waren. Die Tätigkeit der „Untergänger“ geht in ihren Anfängen auf das württembergische Landrecht von 1555 zurück.

Um die Richtigkeit eines Grenzsteins zu gewährleisten, bedienten sich die Feldgeschworenen eines einfachen Hilfsmittels, nämlich der sogenannten Zeugen. Dabei konnte es sich z.B. um Dachplattenscherben oder Holzkohlestücke handeln, ab dem 19. Jahrhundert auch um gebrannte Tontäfelchen, die regional unterschiedlich aussahen. In der Regel trugen sie die Initialen oder das Wappen des jeweiligen Orts.

Bei der „Verzeugung“ wurden die Gegenstände auf bestimmte Weise unter oder neben dem Grenzstein vergraben. Wie genau, wussten nur die Untergänger. Sie waren zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet und gaben dieses Wissen auch nur untereinander weiter. Wenn ein strittiger Grenzstein überprüft wurde und sich dabei entweder ein falsch platzierter oder gar kein Zeuge fand, so war dieser Stein offenbar rechtswidrig versetzt worden. Es musste aber nicht immer Betrug im Spiel sein: Wurde ein Grenzstein etwa beim Pflügen herausgerissen, konnte der Stein schnell wieder gesetzt werden, sofern der „Zeuge“ noch an seinem Platz war.

Die Untergangsgerichte waren vor allem im süddeutschen Raum verbreitet. In Ellwangen und seinen Teilorten endete diese Praxis noch vor der Kommunalreform.

Der dreieckige Ziegelscherben stammt aus den 1880er Jahren und war – die Reste von Erde in den Vertiefungen lassen es vermuten – schon einmal unter einem Grenzstein vergraben. Ob er aus Röhlingen oder aus Rindelbach stammt, war leider nicht zu klären (wer Näheres weiß, der melde sich gerne in Zimmer 110!). Das quadratische Tontäfelchen wurde um 1910 hergestellt und nie benutzt. Es ist offenbar ein „Restposten“, der neulich in einem alten Archivkarton zum Vorschein kam.

Bestand „Zeitgeschichtliche Sammlung“

August 2019 - Protestbrief des Schlosstorwarts Zeller, 1816

Bis zum Beitritt des Königreichs Württemberg zum Deutschen Zollverein im Jahr 1834 wurden an den drei großen Ellwanger Stadttoren – dem Jagsttor, dem sog. Steinernen Tor sowie dem Schlosstor – Straßennutzungsgebühren und Torsperrgelder erhoben. Wer z.B. abends nach Torschluss noch in die Stadt eingelassen werden wollte, musste für das Aufschließen eine Gebühr entrichten. Sie wurde von den Torwarten eingezogen, die mit ihren Familien im jeweiligen Torgebäude wohnten. Alle drei Tore wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgebrochen.

1816 sollte das Ellwanger Torpersonal verpflichtet werden, künftig ein Register über Ankunft und Abgang von Fremden zu führen, unter denen man allerlei Gesindel vermutete. Doch die Torwarte wollten da nicht mitmachen: das sei nicht Teil ihrer Arbeit und ohne zusätzliche Vergütung sowieso nicht. Der Ellwanger Magistrat beschloss kurzerhand, die Torwartstellen und die Einnahmen daraus ab dem kommenden Martinstag (11. Dezember) jährlich meistbietend zu verpachten. Wem das nicht passte, sollte sich eben nach einer anderen Beschäftigung umsehen.

Von der Witwe des Torwarts Hailer auf dem „Steinernen Tor“ war keine größere Gegenwehr zu erwarten, doch die Stadtväter hatten die Rechnung ohne den alten Schlosstorwart Xaver Zeller gemacht. Der schrieb einen geharnischten Brief an den Ellwanger Magistrat und stellte darin klar, dass er anno 1788 noch unter Fürstpropst Clemens Wenzeslaus fest angestellt wurde und demzufolge als „herrschaftlicher Einlasser [...] nicht ein willkürlich zu entlassender Knecht oder Taglöhner“ sei. Hinauswerfen könne man ihn nur im Falle eines nachweislichen Vergehens, und das sei in seinen mittlerweile 28 Dienstjahren niemals vorgekommen. Gegen den Beschluss des Magistrats könne er daher nur „feyerlichst prodestiren“. Nötigenfalls sei er bereit, die Sache „bei der Allerhöchst richterlichen Behörde auszufechten“.

Der Magistrat scheint gemerkt zu haben, dass er sich auf rechtlich dünnes Eis begeben hatte, denn er bestätigte Xaver Zeller die dauerhafte Wärter-Anstellung auf dem Schlosstor. Nichtsdestoweniger wurden Steinernes Tor und Jagsttor künftig wie geplant verpachtet, nachdem sich die dortigen Torwarte nolens volens in die Neuregelung gefügt hatten.

Bestand EL, A III 9/1, B II 12/5 Fol. 170b ff.

Juli 2019 - Weinende Muttergottes, um 1700

Dieses Marienbildnis stammt aus dem Rindelbacher „Seuchenkreuz“. Das rund acht Meter hohe Doppelbalkenkreuz aus Eichenholz ist einer im Mittelalter weit verbreiteten Form des Wegkreuzes nachempfunden und steht in der Nähe der alten Jagstbrücke. Es wurde 1922 auf Betreiben des Gemeinderats aus Dankbarkeit für die Verschonung des Orts vor der Maul- und Klauenseuche aufgestellt. Wie durch ein Wunder war in Rindelbach kein einziges Stück Vieh an dieser gefährlichen Krankheit zugrunde gegangen, die 1921 in der gesamten Gegend gewütet hatte. Gleichzeitig sollte es das stark verwitterte Vorgängerkreuz ersetzen, über dessen Alter und Herkunft heute leider nichts mehr bekannt ist.

1976/77 wurde das Kreuz – diesmal auf Initiative des Ortschaftsrats – wiederum erneuert und dabei einige Meter östlich vom alten Standort wieder aufgestellt. Bei dieser Gelegenheit tauschte man die Madonna, die in einer verglasten Nische im Stamm des Kreuzes gestanden hatte, gegen eine Nachbildung aus. Die Originalfigur kam zuerst ins Schlossmuseum und wurde vor einigen Jahren dem Stadtarchiv übergeben.

Über die Figur aus Lindenholz ist kaum etwas bekannt. Sie stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert und gehörte möglicherweise zu einer Kreuzigungsgruppe. Auch über den Künstler weiß man nichts – sein Handwerk verstand er jedenfalls. In den gekonnt ausgearbeiteten Falten des Gewands sind noch Reste einer farbigen Fassung erkennbar. Typischerweise trägt die Muttergottes über einem roten Kleid einen seitlich geknoteten blauen Mantel. Vom Betrachter aus rechterhand fällt am Gewand eine ergänzte Stelle ins Auge, deren laienhaft ausgeführter Faltenwurf nicht recht zur alten Substanz der Figur passen will. Die Reparatur dürfte aus der Zeit der Kreuzerneuerung von 1922 stammen.

Bestand Kunstsammlung, J8/133

Juni 2019 - Häusliche Gewalt, 1625

Kaum ist der Siebmacher Nikolaus Thumb aus der Haft entlassen, wird ihm und seiner Ehefrau befohlen, auf dem Amt zu erscheinen. Stadtvogt Arnold von Wolffen und der Stadtpfarrer machen ihm unmissverständlich klar, dass ihre Geduld mit ihm nun am Ende ist.

Aus dem Original-Protokoll vom 13. Dezember 1625 erfahren wir, dass Thumb schon öfters im Arrest gesessen hat. Zum einen, weil er seine Ehefrau schon des Öfteren fürchterlich geschlagen hatte, aber auch wegen seines „graußam jemmerlichen Fluchens“, wofür die Obrigkeit damals ebenfalls kein Verständnis hatte. Gefruchtet hatten die Maßregelungen offenbar wenig. Und da „nichts nit hälffen wollen“, wie der Stadtvogt weiter ausführt, hätte man von Rechts wegen jeden Anlass, ihm nun „die Zungen zum Rachen herrauß zu rhaissen“, außerdem die Prügelstrafe zu verhängen und ihn anschließend aus Ellwangen zu verbannen. Dies sei nun seine allerletzte Chance: Thumb solle jetzt sofort an Eidesstatt geloben, seine Frau in Zukunft nicht mehr zu schlagen und nie wieder Gott zu lästern. 

Aber auch an Nikolaus Thumbs Ehefrau richtet man zum Schluss noch ein paar mahnende Worte: Sollte sie „nit recht mit ime haußen“, also ihre ehelichen Pflichten vernachlässigen, solle sie von ihrem Mann „gestreng“ zurechtgewiesen werden – aber ohne Schläge. Man reicht sich darauf die Hände und Nikolaus Thumb und seine Frau dürfen nach Hause gehen.

Wollen wir – knapp vierhundert Jahre später – hoffen, dass es etwas geholfen hat.

Bestand EL, B V 2 5/5 (Zivilprozessakten)

Mai 2019 - Regierungsbefehl, 1748

Manchmal musste sich die fürstpröpstlich Ellwangische Regierung auch mit ganz profanen Dingen abgeben: Unmittelbar vor der Kirche des Kapuzinerklosters (heute Marienpflege) lag auf städtischem Grund ein dampfender Haufen Schafsmist. Der gehörte dem Schwarzochsenwirt Pfeiffer und entwickelte im Sommer eine ganz besondere „Duftnote“. Weil man den Zustand aufseiten der Stadt offenbar tolerierte, sah sich die Regierung veranlasst, das Stadtvogtamt mittels schriftlichem Befehl anzuweisen, den Wirt Pfeiffer unter Androhung von Strafe aufzufordern, seinen „unsäuberlichen und schändlichen“ Misthaufen gefälligst dorthin zu verlegen, wo er niemanden stört.

Nachdeme wahr zu nehmen gewesen, daß allhiesiger Schwarzochsen Wirth Joseph Pfeiffer von einigen Jahren hero den Tung von seinen Schaafen aller nächst an dem Stadt Thor vor seiner Bey der Capucciner Kirchen stehenden Scheuren, mithin am Eingang in die Capucciner Kirchen auf gemeiner Stadt grundt und Boden auf einen haufen angeleget, welches aber nicht nur sehr vnsäuberlich und schändlich, sondern auch des starckhen geruchs und üblen geschmacks willen allerdings vnleidentlich ist, da dergleichen Tunghauffen von denen Schaafen sogar in denen Bauren Dörfferen an der strassen nicht gestattet werden; So hätte das Stadtvogtambt ihme Pfeiffern unter sicherer straff auf zu erlegen, Besagten Tunghaufen disen herbst noch von dorten umb so mehrers hinweg zu räumen, alß Er sothanen Tung gleich anderen Entweder auf ein anderes bequemeres orth Beyseits führen, oder in seinen selbstigen Garthen allda hinterhalb der Scheuren abwerts der strassen Legen könne. Signatum Ellwangen den 3ten aug. 1748.

Ex Mdto. Regiminis

[unleserlich] secretarius

Bestand EL, A III 9/1

April 2019 - Geocache, 2016

Nicht alles, was im Stadtarchiv liegt, muss zwangsläufig alt sein. Bei dem hier gezeigten Objekt handelt es sich um einen sogenannten Geocache, der von 2016-2017 beim Ellwanger Bahnhof versteckt war.

Unter Geocaching versteht man eine moderne Form der Schnitzeljagd, bei der mithilfe von GPS-Koordinaten versteckte Behälter aufgespürt werden. Oft führt die Suche zu Orten, die landschaftlich besonders reizvoll oder geschichtlich interessant sind. Man kann Geocaches suchen, aber auch selbst welche verstecken. Ein Geocache ist idealerweise wetterfest und enthält mindesten ein Logbuch, in das sich die Finder eintragen. Zusätzlich kann allerlei Krimskrams zum Tauschen hinterlegt werden, was die Suche auch für Kinder spannend macht. Manche Cache-Besitzer basteln besonders aufwändige und raffinierte Verstecke, die höchst individuell gestaltet sein können, aber eines gemeinsam haben: sie sind immer bestens getarnt, damit sie nicht versehentlich von „Uneingeweihten“ gefunden werden.

Dieser multimediale und kreative Spaß hat sich ab dem Jahr 2000 von den USA aus über die ganze Welt verbreitet und hat auch hierzulande eine große Fangemeinde. Etwa 370.000 Geocaches liegen alleine in Deutschland versteckt, davon vier in der Ellwanger Innenstadt und mehrere Dutzend im gesamten Stadtgebiet.

Der hier ausgestellte Geocache mit dem Namen „GC6CMGN Alb-Brigade“ erinnerte an den ehemaligen Bundeswehrstandort Ellwangen und lag von März 2016 bis Februar 2017 passend zum Thema bei der Panzerverladerampe am Bahnhof versteckt. Mit dem Abriss der Rampe im Frühjahr 2017 ging auch das Versteck verloren. Erlischt ein Geocache, wird im Fachjargon von „archivieren“ gesprochen. Dieser hier ist – vermutlich als einer von nur wenigen Geocaches weltweit – tatsächlich in einem Archiv gelandet. Als alltagsgeschichtliches Dokument wird er als Beispiel für Freizeitgestaltung im frühen 21. Jahrhundert dauerhaft der Nachwelt erhalten bleiben.

Bestand Kleinerwerbungen, J6

Februar 2019 - Urfehdebrief, 1727

Am 5. April 1727, einen Tag vor Palmsonntag, finden Passanten beim Galgenberg eine nackte Frau, die übel zugerichtet am Wegesrand liegt. Rasch bringt man die Verletzte ins nahe gelegene Armenhaus – das heutige Alamannenmuseum – und kümmert sich dort um das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer. Nachdem die Frau einigermaßen wiederhergestellt ist, erzählt sie, sie heiße Maria Engler und stamme aus dem Land Hessen-Kassel. Seit sie ihre Eltern verloren habe, ziehe sie umher und ernähre sich von Almosen. Nun sei sie brutal überfallen und vollständig ausgeraubt worden.

Die Ellwanger begegnen ihr freigiebig und voller Mitgefühl, auch wird sofort Ausschau nach den Tätern gehalten. Doch irgendwann wird jemand misstrauisch: Wurde nicht vor ein paar Jahren in Schwäbisch Gmünd eine Betrügerin verurteilt, die sich mit einer Überfall-Geschichte Almosen erschlichen hatte? Man erkundigt sich vorsichtshalber – und tatsächlich: „Die Englerin“ ist in Gmünd keine Unbekannte. Nun wird sie gründlich verhört und gibt schließlich zu, dass der Überfall nur fingiert war. Ihre Sachen habe sie versteckt und sich die blauen Flecken mit einem Stein selbst zugefügt. Je größer das Mitleid der Leute, desto größer seien eben auch die milden Gaben.

Bei dem hier gezeigten Dokument handelt es sich um einen sogenannten „Urfehde-Brief“. Er enthält eine ausführliche Beschreibung der Tat, das Strafmaß und den geleisteten Eid der Verurteilten, sich dem Urteil zu beugen und keine Rachetaten an ihren Strafverfolgern zu verüben. Bei Zuwiderhandlung drohte ihr der Galgen.

Auch wenn es nicht so aussieht, kam die Wiederholungstäterin Maria Engler für ihre „betrügliche Selbstvergewaltigung“, wie man es seinerzeit nannte, relativ glimpflich davon: Sie wurde gemäß dem „gnädigsten und mildesten Urteil“ zuerst für eine halbe Stunde am Marktplatz auf den Pranger gestellt und erhielt daraufhin 30 Rutenhiebe. Dann wurde die Verurteilte durch die Marienstraße zum Steinernen Tor geführt und, nachdem sie dort Urfehde geschworen hatte, für immer des Landes verwiesen.

 

Bestand EL, B V 4/124 (Kriminalakten)

Januar 2019 - „Pflasterbrief“, 1923

Dieser Dienstbrief wurde im Sommer 1923 vom Ortssteueramt Abtsgmünd an das Staatsrentamt Ellwangen geschickt. Er soll exemplarisch die Auswirkungen der Hyperinflation nach dem Ende des Ersten Weltkriegs veranschaulichen, die sich quasi als nationales Trauma tief ins Bewusstsein der Deutschen eingebrannt hat und bis heute fortwirkt: kaum eine Industrienation hat weniger Aktionäre und kaum ein Volk hortet mehr Gold.

Nach dem verlorenen Krieg hatte das Deutsche Reich hohe Reparationen zu leisten und finanzierte seine Staatsschulden vor allem durch eine permanente Ausweitung der Geldmenge. Das zunehmend hemmungslose Drucken von Geld, dem keine realen Werte wie Gold oder Wirtschaftsleistung mehr gegenüberstanden, hatte verheerende Folgen: Die Preise stiegen stark an und explodierten ab 1922 förmlich. Vermögen lösten sich in Luft auf und breite Bevölkerungsschichten verarmten. Radikale politische Ideen konnten in dieser Gemengelage Fuß fassen, denn die erste Republik auf deutschem Boden hatte außer Not, Mangel und Instabilität vermeintlich wenig zu bieten.

Den hier ausgestellten Brief hätte man noch im Sommer 1922 mit einer einzigen der 75 3-Mark-Briefmarken verschicken können, mit denen das Kuvert auf beiden Seiten zugepflastert ist. Eine der grünen Briefmarken zu 300 Mark genügte am 1. Juli 1923 noch als Porto – nicht jedoch sechs Wochen später, denn am 15. August 1923, als der Brief aufgegeben wurde, kostete das Porto bereits 1000 Mark. Zwei Monate später hätte man das gesamte Kuvert vorn und hinten mit 300-Mark-Postwertzeichen bekleben können, doch für die erforderlichen 250 Stück hätte der Platz nicht annähernd ausgereicht: 75.000 Mark waren mittlerweile fällig, und ab Herbst 1923 wurde auch bei der Post ausschließlich in Millionen- und Milliardenbeträgen gerechnet. Neue Briefmarkenwerte stellte man oft nur noch provisorisch durch das Überdrucken von praktisch wertlos gewordenen Markenbögen her.

Am 20. November 1923 wurde die immobiliengedeckte Rentenmark eingeführt, die im Verhältnis 4,2:1 an den US-Dollar gekoppelt war. Dabei wurden von den Preisen zwölf Nullen gestrichen: 4,2 Billionen Papiermark entsprachen einem Dollar.

 

Bestand Kleinerwerbungen, J607/1

Dezember 2018 - Restaurierungsbedürftiges Amtsbuch, 1804/05

Dieses Archivale aus dem frühen 19. Jahrhundert ist restaurierungsbedürftig. Es handelt sich dabei um die Bürgermeisterrechnung für das Rechnungsjahr 1804/1805. Darin wurden über sämtliche Einnahmen und Ausgaben der Stadtgemeinde Ellwangen genau Buch geführt. Mit dem „Bürgermeister“ war damals übrigens der Kämmerer gemeint. Den (Ober-)Bürgermeister, wie wir ihn heute kennen, bezeichnete man als Stadtschultheiß.

Im Lauf der Jahre hat dieses Rechnungsbuch ziemlich gelitten. Im frühen 19. Jahrhundert wurde noch mit dem Gänsekiel geschrieben und überschüssige Tinte mit Löschsand aufgetrocknet. Mit jedem neuen Eintrag rutschten einige Sandkörner in die Blattfalze und baute in der Bindung allmählich Spannungen auf. Irgendwann entlud sich die Spannung, indem der Buchrücken brach oder der Buchblock sich nach innen rollte. Hinzu kamen Verschmutzungen durch Benutzung einerseits und jahrzehntelange Lagerung auf staubigen Bühnen und in muffigen Kellern andererseits.

Um weitere Beschädigungen zu vermeiden, muss bei schadhaften Archivalien ein Spezialist für Papier- und Buchrestaurierung beauftragt werden. Restauratoren sind wahre Handwerkskünstler. Die Objekte werden behutsam gereinigt, Fehlstellen werden ergänzt, Bindungen erneuert und Einbände unterfüttert. Es wird immer versucht, so viel wie möglich von der originalen Substanz eines Buchs zu bewahren und seinen Charakter zu erhalten, denn auch Amtsbücher tragen eine eigene Geschichte in sich.

Ausgewählte Archivalien (z.B. Ratsprotokolle des 17. und 18. Jahrhunderts) werden bei einer Restaurierung zusätzlich digitalisiert, um die Originale künftig zu schonen. Die Wiederherstellung eines solchen Bandes ist sehr aufwendig und kann mehrere hundert Euro kosten. Im Stadtarchiv gibt es dutzende Bände, die nach und nach restauriert werden müssen.

1804/05. Bestand EL, B III 2/65

November 2018 - Dankschreiben Wilhelms II, 1903

Mit Wirkung vom 23. November 1802 nahm Kurfürst Friedrich II. (ab 1806 König Friedrich I.) die Fürstpropstei Ellwangen für Württemberg in Besitz und am 22. Juli 1803 die Huldigung der Ellwanger Bürgerschaft entgegen. Bei diesem offiziellen Akt schworen die vormals fürstpröpstlichen Untertanen ihrem neuen Souverän die Treue. Zum einhundertsten Jahrestag schickten die Ellwanger Stadtväter mit Datum vom 1. März 1903 eine Loyalitätsadresse an ihren König nach Stuttgart, in der sie die Huldigung von 1803 quasi erneuerten. Der Wortlaut ist leider nicht überliefert. Es darf aber angenommen werden, dass ein wahres Feuerwerk aus devoten Floskeln und überschwänglichen Lobpreisungen abgebrannt wurde, denn im Stadtarchiv sind zahlreiche Entwürfe zu anderen Schreiben an das Königshaus erhalten geblieben. Mit unterwürfigen Phrasen wurde dabei zu keiner Zeit gespart.

Wohl deswegen bezeichnete Wilhelm II. diesen Brief aus Ellwangen in seinem hier gezeigten Dankschreiben als „kunstvoll“. Ein kleiner Seitenhieb gewissermaßen, denn mit solchen Dingen nahm er es nicht so genau. Zum Allgemeingut gehört ja hierzulande die Erzählung, dass der Monarch beim Spazierengehen von einfachen Leuten gelegentlich mit „Grüß Gott, Herr König“ angesprochen wurde, worauf der „Herr König“ den Fauxpas ignoriert und freundlich zurückgegrüßt haben soll. Die in dem Schreiben benutzten, geradezu egalitären Grußformeln „Mein lieber Stadtschultheiß“ und „Ihr wohlgeneigter König“ sowie der Verzicht auf den Majestätsplural lassen die unter seinen Vorgängern noch peinlich genau beachteten Standesabgrenzungen verschwimmen und stützen das Bild vom volksnahen König Wilhelm, der am 30. November 1918 abdanken musste.

Geschrieben wurde der Brief von einem Kanzleischreiber. Die Unterschrift leistete der König jedoch eigenhändig.

 

Bestand EL, Signatur A I 12

Oktober 2018 - „Halber Batzen“, 1626

Die Idee des Euro als staatenübergreifende Gemeinschaftswährung ist nicht neu. Schon im 16. Jahrhundert gab es Rechnungsmünzen wie den Reichstaler, die für das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation galten und an denen sich das regionale Münzwesen zu orientieren hatte. Die Münzen waren im gesamten Währungsraum umlauffähig. Auch die Kombination aus gemeinsamer Rückseite und regionaler Vorderseite gab es bei Münzen schon vor Jahrhunderten. Damals wie heute verursachte mangelnde Disziplin unter den teilnehmenden Staaten Probleme in den Währungsverbünden. Die Folgen waren stets ähnlich: steigende Preise, Inflation und am Ende eine Reform des Währungssystems oder die Auflösung des Verbunds.

In den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) kam es in den deutschen Ländern zu einer verheerenden Geldentwertung, die als „Kipper- und Wipperzeit“ in die Geschichte einging.

Viele Landesherren oder Städte mit dem Recht, eigenes Geld zu prägen – die sogenannten Münzstände – verringerten damals in betrügerischer Weise den Silbergehalt ihrer Münzen und setzten stattdessen billiges Kupfer zu. Manchmal enthielten diese Geldstücke so viel Kupfer, dass sie rötlich glänzten. Der sprichwörtliche „rote Heller“, der eigentlich aus Silber sein sollte, bezeichnet bis heute eine nahezu wertlose Sache.

Das abgezweigte Edelmetall wurde zur Kriegsfinanzierung oder für eine feudale Hofhaltung benutzt. Diese „Geldvermehrung“ blieb freilich nicht folgenlos: Die Kaufkraft des Geldes sank, denn sie hing damals in allererster Linie vom richtigen Silbergehalt der Geldstücke ab. Je weniger Silber ein Heller oder Kreuzer enthielt, umso mehr Heller oder Kreuzer ergaben einen vollwertigen Gulden, wie er in Süddeutschland gängig war. Statt der üblichen 60 Kreuzer musste oft ein Mehrfaches für den Gegenwert eines Guldens bezahlt werden. Vergleichsweise gute Münzen wurden aussortiert und gehortet oder durch die Münzherren eingeschmolzen und mit noch höherem Kupferanteil wieder unters Volk gebracht. Mit jedem Zyklus kursierten also immer größere Mengen von immer wertloserem Geld, für das immer weniger Leute bereit waren, ihre Waren oder Dienste herzugeben. Das Angebot sank, die Preise vervielfachten sich und die Bevölkerung verarmte.

Ende 1625, zwei Jahre nach der Hochphase dieser Geldentwertung, waren auch in der Fürstpropstei Ellwangen noch immer viele minderwertige Münzen im Umlauf. Um das Vertrauen in das Geld wieder zu heben und die Wirtschaft zu fördern, bestellte Fürstpropst Johann Jacob Blarer von Wartensee in der Münzstätte Augsburg neue 2-Kreuzer-Stücke im Wert von 1000 Gulden. Diese sogenannten Halbbatzen (1 Batzen = 4 Kreuzer) waren Kleinmünzen, wie sie vom einfachen Volk im Alltag benutzt wurden und im süddeutschen Raum weit verbreitet waren. Anscheinend gab es bei der Produktion Verzögerungen, denn in dem hier gezeigten Brief vom 17. November 1625 erinnerte der Fürstpropst noch einmal an seinen längst erteilten Auftrag und unterstrich die hohe Dringlichkeit.

Die ausgestellte Münze ist ein solcher Ellwanger Halbbatzen, der aus dieser Bestellung stammen dürfte.

Bestand Urkunden, UB 1625/1; Bestand Numismatische Sammlung, J1 I 3

September 2018 - Steckbrief, 1777

Die Freie Reichsstadt Gmünd fahndete im Dezember 1777 nach zwei Vagabunden und schickte diesen Steckbrief nach Leinzell, Laubach, Abtsgmünd und Ellwangen. Dort vermutete man die beiden.

Gesucht wurde der 44 Jahre alte Bauer Joseph Fritz aus Mutlangen, der sich „von Weib und Kind pflichtswidrig entfernet“ hatte. Er sei „von mittlerer Statur und braunen Angesichts“. Es folgt eine detaillierte Beschreibung seiner Kleidung. Fritz hatte „einen weißen Zwilch Kittel“ an, außerdem „ein schwarzbraun Tüechenes Leiblein, schwarz abgetragne lederne Hosen und blaue Strümpf“. Bei seinem Verschwinden soll Fritz außerdem die Dienstmagd Barbara Breisacher mitgenommen haben. Auch sie sei mittelgroß, jedoch sehr blass im Gesicht und habe „auf dem Kopf von einer Kranckheit her eine blose Blatten“.

Schwäbisch Gmünd bittet die angeschriebenen Gemeinden, den Fritz und die Breisacherin festzunehmen und auszuliefern, sobald sie sich dort blicken lassen.

Warum hat der Brief vier Siegel?

Jeder Empfänger hatte den Brief wahrscheinlich abgeschrieben und die Kopie öffentlich ausgehängt. Das Original wurde wieder versiegelt und an den nächsten Adressaten geschickt. Briefumschläge waren im 18. Jahrhundert nicht üblich. Die letzte Seite blieb unbeschrieben und man faltete das Blatt auf spezielle Weise so, dass zum Schluss zwei Laschen ineinandergesteckt und vom Siegel zusammengehalten wurden. Dadurch war es nicht mehr möglich, den Brief zu öffnen, ohne entweder Siegel oder Papier zu beschädigen. Das unterste Siegel (mit Papierdecke) ist jenes von Schwäbisch Gmünd mit dem Einhorn-Wappen.

Ellwangen war der letzte Empfänger auf der Liste. Deshalb liegt das originale Fahndungsschreiben nun hier im Stadtarchiv. Ob die gesuchten Personen jemals gefunden wurden, ist nicht bekannt.

 

Bestand EL, B V 4/A (Kriminalakten-Fragmente)