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Tourismus

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21 Kilometer handgesponnenes Garn für ein gefüttertes Diamantköperwolltuch: 6. Ellwanger Tage "Lebendige Geschichte" behandelten das Thema "Textilien im (frühen) Mittelalter"

Auch die alamannische Webhütte im Erdgeschoss des Alamannenmuseums mit ihrem blauen Leinenstoff bot den Teilnehmern der 6. Ellwanger Tage "Lebendige Geschichte" wertvolle Anregungen für ihre Geschichtsdarstellungen (Foto: Museum).

Am Wochenende 16. und 17. Februar 2020 fanden im Alamannenmuseum bereits zum sechsten Mal die Ellwanger Tage "Lebendige Geschichte" statt. Mit dieser Fortbildungsveranstaltung, die inzwischen überregionalen Ruf besitzt, bot das Museum engagierten Geschichtsdarstellern erneut die Möglichkeit, ihre Darstellung gezielt auszubauen und ihr Vermittlungskonzept professioneller zu gestalten. Die knapp zwanzig Teilnehmer aus ganz Baden-Württemberg, Bayern und Hessen beschäftigen sich zwei Tage lang mit dem Thema "Textilien im (frühen) Mittelalter". Unter ihnen waren Darsteller von Alamannen, Baiuwaren, Wikingern und des Hochmittelalters ebenso wie gelernte Weber- und Schneiderinnen nebst Personen, die sich mit Nachwebungen und -färbungen von historischen Textilien beschäftigen.

Da sich die Anfang Februar eröffnete Sonderausstellung "Gut betucht" im Alamannenmuseum ebenfalls mit der Textilerzeugung im frühen Mittelalter beschäftigt, war für ein reiches Anschauungsmaterial gesorgt. Zum Auftakt führte Museumsleiter Andreas Gut und der Kurator der Ausstellung und Initiator der Fortbildungsreihe, der Alamannendarsteller Jürgen Heinritz aus Pleidelsheim, in die Ausstellung ein, in der einmalige Ausgrabungsfunde wie der einzige erhaltene Webrahmen der Alamannenzeit aus Trossingen präsentiert werden. Auch der Zeichentrickfilm "Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam" aus der Sendung mit der Maus von 1970 wird nicht zufällig in der Ausstellung gezeigt, macht er doch deutlich, wie viele Arbeitsschritte nötig sind, um aus den Stängeln der Flachspflanze ein Leinengewebe herzustellen. Mit Musterrechnungen macht die Ausstellung deutlich, welchen Wert die Kleidung im Mittelalter darstellte, so war beispielsweise eine neue Festtagskleidung nur alle fünf Jahre zu haben.

Im ersten Workshop ging es um die Frage: "Was prägt eigentlich unser Bild und unsere Vorstellungen von der Kleidung im (frühen) Mittelalter?" Funde von kompletten Kleidungsstücken sind extrem selten. Kann von einem einzelnen Stück auf eine ganze Mode geschlossen werden? Und welchen Einfluss haben unsere eigenen Vorlieben? Dazu kommen dann auch noch Bilder, die uns Film und Fernsehen liefern. Damit diese bunte Mischung nicht in wilde Spekulation ausartet, diskutierten die Teilnehmer darüber, was sich aus dem wenigen Erhaltenen herauslesen lässt. Am Beispiel der Grabfunde einer reichen Alamannin aus Lauchheim, Grab 974, und eines reichen Mannes aus Trossingen, Grab 58, wurde erörtert, wie man vom Fund zu einer gesicherten Rekonstruktion kommt.

In einem weiteren Workshop ging es um die Konzeptentwicklung für Darstellungen der Teilnehmer. Am Beispiel eines archäologisch untersuchten frühmittelalterlichen Frauengrabes aus Giengen an der Brenz, Grab 41, und des bekannten frühmittelalterlichen Reitergrabes aus Heilbronn-Horkheim wurde rasch deutlich, was eine gute Geschichtsdarstellung ausmacht. Verworfen werden musste die häufig zu beobachtende Idee, sich aus verschiedenen Zeiten und Regionen die besten Stücke zusammenzusuchen, um mit der eigenen Darstellung "zu glänzen". Stattdessen plädierte Heinritz als Experte für diese Art der Geschichtsvermittlung dafür, die persönliche Darstellung an einem konkreten Fund festzumachen und höchstens die erhaltungsbedingten Lücken durch Vergleichsstücke ähnlicher Zeitstellung und Herkunft zu ergänzen.

Am zweiten Tag wurde das Thema "Neue Überlegungen zur Verwendung von Textilien im frühen Mittelalter" erörtert. Angesprochen wurden die Produktionszentren, die für die teils äußerst hochwertigen Stoffe vorauszusetzen sind, der Import von Seidenstoffen wie etwa Maulbeerseide aus China, aber auch der immense Zeitaufwand für das Spinnen der Garne mit der Fallspindel, der schon einmal rund 250 Acht-Stunden-Tage für die 21 Kilometer Wollgarn betragen konnte, die allein für das blaue Diamantköperwolltuch mit Leinenfutter aus Lauchheim, Grab 974, nötig waren, das in der Ausstellung "Gut betucht" als maschinengesponnene Nachwebung zu sehen ist.

Die Teilnehmer verabredeten, ihre persönlichen Arbeiten beim 6. Ellwanger Alamannen-Forum im Herbst 2020 im Alamannenmuseum vorzustellen und gründeten zugleich eine Gruppe, die 2026 das vom Museum geplante Alamannengehöft auf dem Gelände der Landesgartenschau an der Jagst mit Leben erfüllen will. Schon bald sollen auch neue Alamannendarstellungen anhand von Funden aus Pfahlheim, Kirchheim am Ries, Lauchheim, Neresheim und Kösingen das Alamannenmuseum bereichern. Die in der Reenactmentszene gut angenommene Fortbildungsreihe wird im Februar 2021 ihre Fortsetzung finden.

Alamannenmuseum Ellwangen
Haller Straße 9
73479 Ellwangen
Telefon +49 7961 969747
Telefax +49 7961 969749
alamannenmuseum@ellwangen.de
www.alamannenmuseum-ellwangen.de

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Sa, So 13-17 Uhr
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