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Bürger

Öffentlichkeitsarbeit

Das Stadtarchiv...

...wirkt bei der Vermittlung der Ortsgeschichte mit. Es arbeitet dabei mit anderen Einrichtungen zusammen (Geschichts- und Altertumsverein, Alamannenmuseum) oder bietet eigene Veranstaltungen an.

Regelmäßig nimmt das Stadtarchiv am Tag des offenen Denkmals teil.

In unregelmäßigen Abständen und nach Vereinbarung bietet das Stadtarchiv Führungen durch seine Räumlichkeiten an, zu denen seit 2017 auch die Historische Lehrerbibliothek am Peutinger-Gymnasium gehört.

Geplante Veranstaltungen

Oktober 2019

Samstag, 19. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Führung durch die Historische Lehrerbibliothek am Peutinger-Gymnasium

Stadtarchivar Christoph Remmele berichtet vor Ort über Entstehungsgeschichte, Schicksal und Zukunft der Gymnasialbibliothek, die auf das Ellwanger Jesuitenkolleg zurückgeht.

Treffpunkt: Vor dem Sportplatz im Schulhof

Wegen der beengten Raumverhältnisse ist die Teilnehmerzahl begrenzt.
Telefonische Voranmeldung ist erforderlich unter 07961/84-302.

Archivalien des Monats

In der Reihe „Das Archivale des Monats“ präsentiert das Stadtarchiv alle vier Wochen ein Objekt zur Ellwanger Stadt- und Heimatgeschichte. Meist handelt es sich dabei um Dokumente zu unterschiedlichsten Aspekten der Stadt-, Verwaltungs- und Alltagsgeschichte. Aber auch Objekte werden gezeigt, die man nicht unbedingt in einem Archiv vermuten würde.

Hier können Sie die bisher ausgestellten Archivalien und ihre Geschichte nachlesen.

September 2018 - Steckbrief, 1777

Steckbrief
Steckbrief

Die Freie Reichsstadt Gmünd fahndete im Dezember 1777 nach zwei Vagabunden und schickte diesen Steckbrief nach Leinzell, Laubach, Abtsgmünd und Ellwangen. Dort vermutete man die beiden.

Gesucht wurde der 44 Jahre alte Bauer Joseph Fritz aus Mutlangen, der sich „von Weib und Kind pflichtswidrig entfernet“ hatte. Er sei „von mittlerer Statur und braunen Angesichts“. Es folgt eine detaillierte Beschreibung seiner Kleidung. Fritz hatte „einen weißen Zwilch Kittel“ an, außerdem „ein schwarzbraun Tüechenes Leiblein, schwarz abgetragne lederne Hosen und blaue Strümpf“. Bei seinem Verschwinden soll Fritz außerdem die Dienstmagd Barbara Breisacher mitgenommen haben. Auch sie sei mittelgroß, jedoch sehr blass im Gesicht und habe „auf dem Kopf von einer Kranckheit her eine blose Blatten“.

Schwäbisch Gmünd bittet die angeschriebenen Gemeinden, den Fritz und die Breisacherin festzunehmen und auszuliefern, sobald sie sich dort blicken lassen.

Warum hat der Brief vier Siegel?

Jeder Empfänger hatte den Brief wahrscheinlich abgeschrieben und die Kopie öffentlich ausgehängt. Das Original wurde wieder versiegelt und an den nächsten Adressaten geschickt. Briefumschläge waren im 18. Jahrhundert nicht üblich. Die letzte Seite blieb unbeschrieben und man faltete das Blatt auf spezielle Weise so, dass zum Schluss zwei Laschen ineinandergesteckt und vom Siegel zusammengehalten wurden. Dadurch war es nicht mehr möglich, den Brief zu öffnen, ohne entweder Siegel oder Papier zu beschädigen. Das unterste Siegel (mit Papierdecke) ist jenes von Schwäbisch Gmünd mit dem Einhorn-Wappen.

Ellwangen war der letzte Empfänger auf der Liste. Deshalb liegt das originale Fahndungsschreiben nun hier im Stadtarchiv. Ob die gesuchten Personen jemals gefunden wurden, ist nicht bekannt.

 

Bestand EL, B V 4/A (Kriminalakten-Fragmente)

Oktober 2018 - „Halber Batzen“, 1626

Halbbatzen Avers
Vorderseite
Halbbatzen Revers
Rückseite

Die Idee des Euro als staatenübergreifende Gemeinschaftswährung ist nicht neu. Schon im 16. Jahrhundert gab es Rechnungsmünzen wie den Reichstaler, die für das gesamte Heilige Römische Reich Deutscher Nation galten und an denen sich das regionale Münzwesen zu orientieren hatte. Die Münzen waren im gesamten Währungsraum umlauffähig. Auch die Kombination aus gemeinsamer Rückseite und regionaler Vorderseite gab es bei Münzen schon vor Jahrhunderten. Damals wie heute verursachte mangelnde Disziplin unter den teilnehmenden Staaten Probleme in den Währungsverbünden. Die Folgen waren stets ähnlich: steigende Preise, Inflation und am Ende eine Reform des Währungssystems oder die Auflösung des Verbunds.

In den ersten Jahren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) kam es in den deutschen Ländern zu einer verheerenden Geldentwertung, die als „Kipper- und Wipperzeit“ in die Geschichte einging.

Viele Landesherren oder Städte mit dem Recht, eigenes Geld zu prägen – die sogenannten Münzstände – verringerten damals in betrügerischer Weise den Silbergehalt ihrer Münzen und setzten stattdessen billiges Kupfer zu. Manchmal enthielten diese Geldstücke so viel Kupfer, dass sie rötlich glänzten. Der sprichwörtliche „rote Heller“, der eigentlich aus Silber sein sollte, bezeichnet bis heute eine nahezu wertlose Sache.

Das abgezweigte Edelmetall wurde zur Kriegsfinanzierung oder für eine feudale Hofhaltung benutzt. Diese „Geldvermehrung“ blieb freilich nicht folgenlos: Die Kaufkraft des Geldes sank, denn sie hing damals in allererster Linie vom richtigen Silbergehalt der Geldstücke ab. Je weniger Silber ein Heller oder Kreuzer enthielt, umso mehr Heller oder Kreuzer ergaben einen vollwertigen Gulden, wie er in Süddeutschland gängig war. Statt der üblichen 60 Kreuzer musste oft ein Mehrfaches für den Gegenwert eines Guldens bezahlt werden. Vergleichsweise gute Münzen wurden aussortiert und gehortet oder durch die Münzherren eingeschmolzen und mit noch höherem Kupferanteil wieder unters Volk gebracht. Mit jedem Zyklus kursierten also immer größere Mengen von immer wertloserem Geld, für das immer weniger Leute bereit waren, ihre Waren oder Dienste herzugeben. Das Angebot sank, die Preise vervielfachten sich und die Bevölkerung verarmte.

Ende 1625, zwei Jahre nach der Hochphase dieser Geldentwertung, waren auch in der Fürstpropstei Ellwangen noch immer viele minderwertige Münzen im Umlauf. Um das Vertrauen in das Geld wieder zu heben und die Wirtschaft zu fördern, bestellte Fürstpropst Johann Jacob Blarer von Wartensee in der Münzstätte Augsburg neue 2-Kreuzer-Stücke im Wert von 1000 Gulden. Diese sogenannten Halbbatzen (1 Batzen = 4 Kreuzer) waren Kleinmünzen, wie sie vom einfachen Volk im Alltag benutzt wurden und im süddeutschen Raum weit verbreitet waren. Anscheinend gab es bei der Produktion Verzögerungen, denn in dem hier gezeigten Brief vom 17. November 1625 erinnerte der Fürstpropst noch einmal an seinen längst erteilten Auftrag und unterstrich die hohe Dringlichkeit.

Die ausgestellte Münze ist ein solcher Ellwanger Halbbatzen, der aus dieser Bestellung stammen dürfte.

 

Bestand Urkunden, UB 1625/1; Bestand Numismatische Sammlung, J1 I 3

November 2018 - Dankschreiben Wilhelms II, 1903

Dankschreiben Wilhelm II.
Dankschreiben Wilhelm II.

Mit Wirkung vom 23. November 1802 nahm Kurfürst Friedrich II. (ab 1806 König Friedrich I.) die Fürstpropstei Ellwangen für Württemberg in Besitz und am 22. Juli 1803 die Huldigung der Ellwanger Bürgerschaft entgegen. Bei diesem offiziellen Akt schworen die vormals fürstpröpstlichen Untertanen ihrem neuen Souverän die Treue. Zum einhundertsten Jahrestag schickten die Ellwanger Stadtväter mit Datum vom 1. März 1903 eine Loyalitätsadresse an ihren König nach Stuttgart, in der sie die Huldigung von 1803 quasi erneuerten. Der Wortlaut ist leider nicht überliefert. Es darf aber angenommen werden, dass ein wahres Feuerwerk aus devoten Floskeln und überschwänglichen Lobpreisungen abgebrannt wurde, denn im Stadtarchiv sind zahlreiche Entwürfe zu anderen Schreiben an das Königshaus erhalten geblieben. Mit unterwürfigen Phrasen wurde dabei zu keiner Zeit gespart.

Wohl deswegen bezeichnete Wilhelm II. diesen Brief aus Ellwangen in seinem hier gezeigten Dankschreiben als „kunstvoll“. Ein kleiner Seitenhieb gewissermaßen, denn mit solchen Dingen nahm er es nicht so genau. Zum Allgemeingut gehört ja hierzulande die Erzählung, dass der Monarch beim Spazierengehen von einfachen Leuten gelegentlich mit „Grüß Gott, Herr König“ angesprochen wurde, worauf der „Herr König“ den Fauxpas ignoriert und freundlich zurückgegrüßt haben soll. Die in dem Schreiben benutzten, geradezu egalitären Grußformeln „Mein lieber Stadtschultheiß“ und „Ihr wohlgeneigter König“ sowie der Verzicht auf den Majestätsplural lassen die unter seinen Vorgängern noch peinlich genau beachteten Standesabgrenzungen verschwimmen und stützen das Bild vom volksnahen König Wilhelm, der am 30. November 1918 abdanken musste.

Geschrieben wurde der Brief von einem Kanzleischreiber. Die Unterschrift leistete der König jedoch eigenhändig.

 

Bestand EL, Signatur A I 12

Dezember 2018 - Restaurierungsbedürftiges Amtsbuch, 1804/05

Beschädigtes Amtsbuch, 1804/05
Beschädigtes Amtsbuch, 1804/05

Dieses Archivale aus dem frühen 19. Jahrhundert ist restaurierungsbedürftig. Es handelt sich dabei um die Bürgermeisterrechnung für das Rechnungsjahr 1804/1805. Darin wurden über sämtliche Einnahmen und Ausgaben der Stadtgemeinde Ellwangen genau Buch geführt. Mit dem „Bürgermeister“ war damals übrigens der Kämmerer gemeint. Den (Ober-)Bürgermeister, wie wir ihn heute kennen, bezeichnete man als Stadtschultheiß.

Im Lauf der Jahre hat dieses Rechnungsbuch ziemlich gelitten. Im frühen 19. Jahrhundert wurde noch mit dem Gänsekiel geschrieben und überschüssige Tinte mit Löschsand aufgetrocknet. Mit jedem neuen Eintrag rutschten einige Sandkörner in die Blattfalze und baute in der Bindung allmählich Spannungen auf. Irgendwann entlud sich die Spannung, indem der Buchrücken brach oder der Buchblock sich nach innen rollte. Hinzu kamen Verschmutzungen durch Benutzung einerseits und jahrzehntelange Lagerung auf staubigen Bühnen und in muffigen Kellern andererseits.

Um weitere Beschädigungen zu vermeiden, muss bei schadhaften Archivalien ein Spezialist für Papier- und Buchrestaurierung beauftragt werden. Restauratoren sind wahre Handwerkskünstler. Die Objekte werden behutsam gereinigt, Fehlstellen werden ergänzt, Bindungen erneuert und Einbände unterfüttert. Es wird immer versucht, so viel wie möglich von der originalen Substanz eines Buchs zu bewahren und seinen Charakter zu erhalten, denn auch Amtsbücher tragen eine eigene Geschichte in sich.

Ausgewählte Archivalien (z.B. Ratsprotokolle des 17. und 18. Jahrhunderts) werden bei einer Restaurierung zusätzlich digitalisiert, um die Originale künftig zu schonen. Die Wiederherstellung eines solchen Bandes ist sehr aufwendig und kann mehrere hundert Euro kosten. Im Stadtarchiv gibt es dutzende Bände, die nach und nach restauriert werden müssen.

 

1804/05. Bestand EL, B III 2/65

Januar 2019 - „Pflasterbrief“, 1923

Pflasterbrief
Vorderseite
Pflasterbrief
Rückseite

Dieser Dienstbrief wurde im Sommer 1923 vom Ortssteueramt Abtsgmünd an das Staatsrentamt Ellwangen geschickt. Er soll exemplarisch die Auswirkungen der Hyperinflation nach dem Ende des Ersten Weltkriegs veranschaulichen, die sich quasi als nationales Trauma tief ins Bewusstsein der Deutschen eingebrannt hat und bis heute fortwirkt: kaum eine Industrienation hat weniger Aktionäre und kaum ein Volk hortet mehr Gold.

Nach dem verlorenen Krieg hatte das Deutsche Reich hohe Reparationen zu leisten und finanzierte seine Staatsschulden vor allem durch eine permanente Ausweitung der Geldmenge. Das zunehmend hemmungslose Drucken von Geld, dem keine realen Werte wie Gold oder Wirtschaftsleistung mehr gegenüberstanden, hatte verheerende Folgen: Die Preise stiegen stark an und explodierten ab 1922 förmlich. Vermögen lösten sich in Luft auf und breite Bevölkerungsschichten verarmten. Radikale politische Ideen konnten in dieser Gemengelage Fuß fassen, denn die erste Republik auf deutschem Boden hatte außer Not, Mangel und Instabilität vermeintlich wenig zu bieten.

Den hier ausgestellten Brief hätte man noch im Sommer 1922 mit einer einzigen der 75 3-Mark-Briefmarken verschicken können, mit denen das Kuvert auf beiden Seiten zugepflastert ist. Eine der grünen Briefmarken zu 300 Mark genügte am 1. Juli 1923 noch als Porto – nicht jedoch sechs Wochen später, denn am 15. August 1923, als der Brief aufgegeben wurde, kostete das Porto bereits 1000 Mark. Zwei Monate später hätte man das gesamte Kuvert vorn und hinten mit 300-Mark-Postwertzeichen bekleben können, doch für die erforderlichen 250 Stück hätte der Platz nicht annähernd ausgereicht: 75.000 Mark waren mittlerweile fällig, und ab Herbst 1923 wurde auch bei der Post ausschließlich in Millionen- und Milliardenbeträgen gerechnet. Neue Briefmarkenwerte stellte man oft nur noch provisorisch durch das Überdrucken von praktisch wertlos gewordenen Markenbögen her.

Am 20. November 1923 wurde die immobiliengedeckte Rentenmark eingeführt, die im Verhältnis 4,2:1 an den US-Dollar gekoppelt war. Dabei wurden von den Preisen zwölf Nullen gestrichen: 4,2 Billionen Papiermark entsprachen einem Dollar.

 

Bestand Kleinerwerbungen, J607/1

Februar 2019 - Urfehdebrief, 1727

Urfehdebrief
Urfehdebrief

Am 5. April 1727, einen Tag vor Palmsonntag, finden Passanten beim Galgenberg eine nackte Frau, die übel zugerichtet am Wegesrand liegt. Rasch bringt man die Verletzte ins nahe gelegene Armenhaus – das heutige Alamannenmuseum – und kümmert sich dort um das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer. Nachdem die Frau einigermaßen wiederhergestellt ist, erzählt sie, sie heiße Maria Engler und stamme aus dem Land Hessen-Kassel. Seit sie ihre Eltern verloren habe, ziehe sie umher und ernähre sich von Almosen. Nun sei sie brutal überfallen und vollständig ausgeraubt worden.

Die Ellwanger begegnen ihr freigiebig und voller Mitgefühl, auch wird sofort Ausschau nach den Tätern gehalten. Doch irgendwann wird jemand misstrauisch: Wurde nicht vor ein paar Jahren in Schwäbisch Gmünd eine Betrügerin verurteilt, die sich mit einer Überfall-Geschichte Almosen erschlichen hatte? Man erkundigt sich vorsichtshalber – und tatsächlich: „Die Englerin“ ist in Gmünd keine Unbekannte. Nun wird sie gründlich verhört und gibt schließlich zu, dass der Überfall nur fingiert war. Ihre Sachen habe sie versteckt und sich die blauen Flecken mit einem Stein selbst zugefügt. Je größer das Mitleid der Leute, desto größer seien eben auch die milden Gaben.

Bei dem hier gezeigten Dokument handelt es sich um einen sogenannten „Urfehde-Brief“. Er enthält eine ausführliche Beschreibung der Tat, das Strafmaß und den geleisteten Eid der Verurteilten, sich dem Urteil zu beugen und keine Rachetaten an ihren Strafverfolgern zu verüben. Bei Zuwiderhandlung drohte ihr der Galgen.

Auch wenn es nicht so aussieht, kam die Wiederholungstäterin Maria Engler für ihre „betrügliche Selbstvergewaltigung“, wie man es seinerzeit nannte, relativ glimpflich davon: Sie wurde gemäß dem „gnädigsten und mildesten Urteil“ zuerst für eine halbe Stunde am Marktplatz auf den Pranger gestellt und erhielt daraufhin 30 Rutenhiebe. Dann wurde die Verurteilte durch die Marienstraße zum Steinernen Tor geführt und, nachdem sie dort Urfehde geschworen hatte, für immer des Landes verwiesen.

 

Bestand EL, B V 4/124 (Kriminalakten)

Stadt Ellwangen
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tourist(@)ellwangen.de
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