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Tourismus

Kunstwerk des Monats

Das"Kunstwerk des Monats"

Logo Kunstwerk des Monats

Jedes Kunstwerk oder jedes Exponat aus den Ellwanger Museen erzählt eine Geschichte, die zum besseren Verständnis der damaligen Zeit beiträgt. Diese Überlegung war der Leitgedanke für die gemeinsame Initiative des Alamannenmuseums und des Schlossmuseums Ellwangen, ein "Kunstwerk des Monats" auszusuchen und vorzustellen. Sie finden hier die Beiträge zum Nachlesen.

Mai "Der Kabinettschrank der Fürstpröpste im Ellwanger Schlossmuseum"

Objekt des Monats (Juni 2017)

Goldscheibenfibel aus Freiberg-Beihingen
Die alamannische Goldscheibenfibel aus Freiberg-Beihingen, Grab 81, ist das Objekt des Monats Juni im Alamannenmuseum (Foto: Museum)

Alamannenmuseum Ellwangen

Alamannische Goldscheibenfibel aus Freiberg-Beihingen, Grab 81

Bei der Ausgrabung des alamannischen Friedhofs von Freiberg-Beihingen 1992/93 stieß man auf die Bestattung eines Mädchens aus der Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. Die Knochen lagen teilweise durcheinander, das Grab war offenbar schon zwei Generationen später von einem Plünderer heimgesucht worden. Für sein grausiges Vorhaben musste er im Grabschacht kauern und dort sah er am Oberkörper der Toten einen großen goldenen Gegenstand funkeln – eine prächtige Goldscheibenfibel! Er hielt seine wertvolle Beute in der Hand – und legte sie zurück, mit der Schauseite nach unten. So fanden sie die Archäologen bei der Ausgrabung.

Wie lässt sich dieses Geschehen begreifen? Die Verbreitung des neuen, christlichen Glaubens brachte die heidnische Sitte der Grabbeigabe nach und nach zum Erlöschen. Seit dem 8. Jahrhundert sank die Hemmschwelle für Grabraub immer weiter, denn man wusste, dass die Toten keiner Beigaben bedürfen. Eine große Ausnahme machten Gegenstände mit christlicher Symbolik, wie Kreuzdarstellungen. Die Räuber ließen sie im Grab.

Die Beihinger Fibel zeigt jedoch ein Dreieck. Wäre dem Grabräuber nicht klar gewesen, dass sein Fund etwas Christliches zeigt, hätte er das kostbare Stück niemals im Grab zurückgelassen. Wäre es möglich, dass er schon etwas von „Dreifaltigkeit“ wusste? Durchaus. Als theologisches Konzept war die Vorstellung einer Dreifaltigkeit, der Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist, schon im 2. nachchristlichen Jahrhundert entwickelt, zum Beginn des 4. Jahrhunderts wurde sie zum Dogma. Der christliche Grabräuber muss das Symbol erkannt haben.

Die „Dreifaltigkeitsfibel“ wird bis auf Weiteres in einer Sondervitrine im Erdgeschoss des Alamannenmuseums gezeigt, die Präsentation entstand mit freundlicher Unterstützung des Keltenmuseums Hochdorf/Enz.

Objekt des Monats (Mai 2017)

Fayenceplatte Foto: "Schlossmuseum Ellwangen"
Fayenceplatte (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Ein wertvolles Geschenk

erhielt das Schlossmuseum unlängst von einem ehemaligen Schrezheimer Bürger, welches nun das „Kunstwerk des Monats“ im Mai darstellt. Es ist eine große Fayenceplatte, Teil eines fürstlichen Speiseservices aus der Schrezheimer Fayencemanufaktur, entstanden 1770. Teile dieses Services sind in verschiedenen Sammlungen bedeutender Museen zu finden Das dekorative Rosen/Nelken- Nelkenmotiv der Bemalung wurde in Schrezheim entwickelt und ziert Terrinen, Tafelaufsätze, Leuchter, Teller, Gitterkörbe und Bestecke, ein Beweis für die Qualität und Leistungsfähigkeit der Manufaktur. Der Ellwanger Stadtvogt, Reichsgraf von Etzdorf berichtet um 1800 „in Schrezheim werden Tafelservice bis zu 24 Personen hergestellt“ Die Platte ist in der umfangreichen Sammlung der Schrezheimer Fayencen im Schlossmuseum ausgestellt.

Objekt des Monats (April 2017)

Pietà (Mitleid, Frömmigkeit) Foto: "Schlossmuseum Ellwangen"
Pietà (Mitleid, Frömmigkeit) (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Pietà um 1510 im Sieger-Köder-Museum

Die Pietà (Mitleid, Frömmigkeit) zählt zu den bekanntesten ikonographischen Darstellungen des Mittelalters. Die Figurengruppe von Mutter und Christus ist auch als "Vesperbild" bekannt. Man nimmt an, dass Maria am Karfreitag zur Zeit des liturgischen Vespergebetes, also am Abend, ihren Sohn so zu sich genommen hat. Das Stundengebet am Abend schließt in der Regel mit einem marianischen Gesang.
Die Herkunft der aus Weidenholz geschnitzten Pietà ist unbekannt, ihre Werkstatt ist jedoch in Süddeutschland zu suchen. Der hohe Sockel der Figur (96/57/25 cm) weist vorne einen Fries aus goldenen, liegenden, gerahmten Vierpässen auf, die innen blau gefasst sind. Maria sitzt auf einer Thronbank und trägt ein rosafarbenes Kleid, einen blauen Mantel und einen grauen Schleier. Der Oberkörper Christi liegt fast waagrecht und leicht nach vorne gewendet auf dem Schoß seiner Mutter. Das Lendentuch ist dunkelfarbig. Trotz der Dramatik und der Thematik der Figur entsteht eine Feierlichkeit und ausstrahlende Ruhe. Die Pietá ist zusammen mit weiteren Passions- und Osterfiguren und Bildern des Lauchheimer Künstlers Paul Groll im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Kreuz Ort Rätsel" noch bis zum 30. April im Sieger-Köder-Museum/ Nikolaistraße 12 (in Ellwangen (www.sieger-koeder-museum.de) (zu sehen.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag - 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Samstag und Sonntag - 10:30 Uhr bis 17:00 Uhr, Montag - geschlossen (auch an Feiertagen).

Objekt des Monats (März 2017)

Die alamannische Perlenkette aus Kösingen, Grab 30, ist das Objekt des Monats März im Alamannenmuseum (Foto: Museum)
Die alamannische Perlenkette aus Kösingen, Grab 30, ist das Objekt des Monats März im Alamannenmuseum (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Alamannische Perlenkette aus Kösingen, Grab 30

Zu den Fundorten der Ostalb, die mit Funden im Alamannenmuseum vertreten sind, zählt Kösingen auf dem Härtsfeld. Hier wurden 1973 insgesamt 76 Gräber eines alamannischen Reihengräberfriedhofs vom damaligen Landesdenkmalamt ausgegraben. Schon während der Kriegs- und Nachkriegszeit hatte der Lehrer A. Saupp entsprechende Beobachtungen beim Kies- und Sandabbau auf der Flur „Schlossäcker“ gemeldet, die auf die Existenz eines merowingerzeitlichen Gräberfeldes hinwiesen. Auch die Ortsnamensendung auf -ingen – der Ort taucht im 8./9. Jahrhundert erstmals als „Chesingen“ und „Kesingen“ in den Schriftquellen auf – deutet auf eine Ortsgründung im 6. Jahrhundert hin.

In Grab 30 war in einem Holzsarg ein 6-8-jähriges Mädchen bestattet worden. Auf dem Brustkorb, vom Hals bis zum Becken, fanden die Archäologen 186 Perlen einer Perlenkette, deren ursprünglicher Faden sich aufgelöst hatte. Weitere Beigaben waren eine Silber- und eine Bronzenadel am Kopf, eine Eisenschnalle, ein tordiertes Eisengerät, ein verzierter Keramiktopf sowie Tierknochen als Rest einer Speisebeigabe. Die Perlenkette, eine Leihgabe des Landesmuseums Württemberg (Stuttgart), zählt zu den schönsten und reichhaltigsten, die im Alamannenmuseum gezeigt werden. Neben etlichen vielfarbigen Glasperlen unterschiedlichster Machart  enthält sie eine Bronzeperle mit Kreisaugenpunzen, drei mandelförmige Amethystperlen und drei Bernsteinperlen. Die Amethystperlen legen eine Datierung in die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts nahe.

Objekt des Monats (Februar 2017)

(Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Prunkvoller Aufstieg
Der Renaissance-Innenhof von Schloss Ellwangen leitet zu einem wichtigen und beherrschenden Bauteil hin, dem Treppenhaus. Der Baukörper wurde im Zuge der Barockisierungsmaßnahmen (1720-1727) des Schlosses unter Stiftspropst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg erbaut. Die bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen schmalen Wendeltreppen genügten den absolutistischen Regierungsansprüchen auch geistlicher Fürsten nicht mehr. Ebenfalls zu berücksichtigen waren die Anforderungen des höfischen Zeremoniells an ein eigenständiges Treppenhaus im Corpus de Logis, das zur Beletage im Obergeschoß (heute Schlossmuseum) hinführt. Verantwortlich für die Planung war der Deutschordensbaumeister Franz Keller (1682-1724), der die Vollendung des Bau aber nicht mehr erleben sollte.
 
Das Innere der Treppenhausarchitektur wird bestimmt durch eine breite Treppenanlage mit dreiläufiger Führung. Die feine Stuckzier von Franz Josef Roth (1690-1758) mit Band- und Blattwerk als Ornamentik steigert sich – nach dem hierarchischen Prinzip- vom Erd- bis ins Obergeschoss. Hier, auf dem letzten Treppenpodest, erreicht die Ausschmückung des Treppenhauses ihren Höhepunkt und unterstreicht dessen festlichen Charakter.
Den künstlerischen Höhepunkt stellt das Deckenfresko von Christoph Thomas Scheffler aus dem Jahr 1728 (1730?) dar, das als Thema „Die gute Regierung Franz Ludwigs von Pfalz-Neuburg“ zum Thema hat:
 
In olympischer Höhe steht über der Stadt Ellwangen der Thronsessel Franz Ludwigs von Pfalz-Neuburg, umgeben von zahlreichen Putten, darunter die Figur der göttlichen Weisheit mit dem Schild des Heiligen Geistes und dem Buch mit den sieben Siegeln. Vom Thron hernieder steigt die Figur der Regentschaft im Kurfürstenmantel. Eine blonde Frauenfigur hält über die Regentschaft des Fürstpropstes den Reif der Vollkommenheit.
Weitere Figuren versinnbildlichen die geistlichen und weltlichen Würden des Auftraggebers Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg. Das Deckengemälde wird von vier Grisaillen in den Ecken eingerahmt. Diese haben ebenfalls allegorische Darstellungen einer weisen und tatkräftigen Regierung zum Inhalt.
Das Treppenhaus von Schloss Ellwangen ist auch während der Winterschließung zu den Öffnungszeiten der Außenstellen des Landratsamtes zu besichtigen. Eine entsprechende Beschreibung des Deckenfreskos ist vor Ort angebracht.
 
 

Objekt des Monats (Dezember 2016)

Das „schaukelnde Mädchen“
Das „schaukelnde Mädchen“ vor dem Museum ist das Objekt des Monats Dezember im Alamannenmuseum (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Alamannenmuseum Ellwangen Schaukelndes Mädchen vor dem Museum

Seit 2001 begrüßt ein besonderes Kunstwerk die Besucher vor dem Alamannenmuseum. Der vom Museumsarchitekten Gerd Mann (Laupheim/München) gestaltete und von der Ellwanger Firma Josef Stengel zur Eröffnung des Museums gespendete Werbeträger aus Cortenstahl ist als „schaukelndes Mädchen“ ausgebildet, das von einer Windfahne in Form einer alamannischen Goldscheibenfibel in Sonnenform aus Schwenningen am Neckar zum Schaukeln gebracht wird. Vorbild war das Gedicht des Dichters Ausonius (310-393/94) über seine Geliebte Bissula, eine junge Alamannin, die als Kriegsgefangene an den spätrömischen Kaiserhof nach Trier kam.

 

Liebesgedichte an Bissula

1. Bissula, jenseits des Rheins, des kalten, bist du entsprossen
Und an der Quelle zu Haus, welcher die Donau entspringt.
Die dich gefangen, die Hand, befreite dich, dass du im Herzen
Dessen herrschest und Sinn, der dich erbeutet im Krieg.

Fern von der liebenden Sorge der Mutter, hast du der Herrin
Willen doch nimmer gespürt, nimmer die Härte des Herrn.
Fühltest dein Los noch nicht und die Schmach der Besiegung des Stammes;
Eh' du die Knechtschaft erfuhrst, wurdest Gebieterin du.

Hat auch römische Art dich berührt, deutsch bliebst du von Ansehn:
Blau ist dein Auge, es wallt golden vom Haupte das Haar.
Sprache und schöne Gestalt, sie schmücken dich doppelt; es preist dich
Diese als rheinisches Kind, jene als Römerin mir.

2. Liebliches Kind, Schmeichlerin du, Zeitvertreib, du all mein Glück!
Mädchen von Rom, stehen vor dir – einer Barbarin – zurück.
"Bissula!" Welch bäurisches Wort für das so zierliche Kind,
Garstig und fremd; doch für Auson klingt es so lieblich und lind!

3. Bissula! Dich trifft nimmer mit Wachs und Farben der Künstler;
Bleibt doch dem Bilde versagt der Reiz der natürlichen Anmut.
Andere Mädchen zu malen mag Bleiweiß frommen und Mennig;
Deine Farben trotzen der Kunst! Drum rat' ich dir, Maler:
Lilien mische mit Rosen von purpurner Farbe! So duftig,
Wie von beiden erglüht der Reflex, so male das Antlitz!

4. Maler, willst du mir malen mein Herzblatt, mach's wie die Bienen
Attikas, suche geschickt duftige Farben dir aus!

Objekt des Monats (November 2016)

Schwedenmadonna
Die spätgotische (um 1509) und aus Holz gefertigte „Schwedenmadonna“ befindet sich heute im Ausstellungsbestand der sakralen Kunst im Schlossmuseum.

Die Schwedenmadonna, erzählt sagenhaftes aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Der militärische Sieg des Schwedenkönigs Gustav Adolf bei Breitenbach eröffnete den Schweden den Weg nach Süddeutschland. Am 16. Mai 1632 rückten die Truppen von Dinkelsbühl gegen Ellwangen vor. Bereits ein Jahr zuvor flüchtete der Fürstpropst ins Exil. Um den Angriff der schwedischen Soldaten in der Residenzstadt Ellwangen abzuwehren, übernahmen Männer und auch Frauen den Wachdienst an der Stadtmauer und an den Stadttoren.

Nach anfänglichem Beschuss der Stadt kam zu einem "Accord" (Waffenstillstand) zwischen einer städtischen Abordnung und den schwedischen Belagerern. In Ellwangen wurden 120, auf dem Schloss 24 Besatzungspersonen einquartiert. Aus dieser Zeit stammt die so genannte "Schwedensage": In der Schlosskapelle befand sich eine Skulptur der schmerzhaften Muttergottes, der wundertätige Kräfte zugesprochen wurden. Als ein schwedischer Soldat das Muttergottes-Vesperbild erblickte, ... entblößte er seinen Säbel, und haute dem Bild Jesu die linke Hand ab. Überdies zerschnitt er der Schmerzvollen das Angesicht auf das erbärmlichste, wie die Chronik berichtet. Die Strafe erfolgte sofort, denn der Mann wurde von einer faulenden Krankheit befallen. Die Fäulnis verursachte einen widerlichen, pestartigen Geruch. Von seinen Offizieren wurde er deshalb in das Verlies des Michaelsturmes im Schloss geworfen, wo er bis zu seinem Tod einsaß. Seither wird dieser Turm als "Schwedenturm" bezeichnet.

Die spätgotische (um 1509) und aus Holz gefertigte "Schwedenmadonna" befindet sich heute im Ausstellungsbestand der sakralen Kunst im Schlossmuseum.

Objekt des Monats (Oktober 2016)

Das frühalamannische Bernsteincollier aus Trochtelfingen ist das Objekt des Monats Oktober im Alamannenmuseum (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Yvonne Mühleis).
Das frühalamannische Bernsteincollier aus Trochtelfingen ist das Objekt des Monats Oktober im Alamannenmuseum (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Yvonne Mühleis).

Alamannenmuseum Ellwangen - Bernsteincollier aus Trochtelfingen

Beim Bau der NATO-Pipeline im Egertal bei Trochtelfingen wurden 2006 im Zuge archäologischer Ausgrabungen zwei frühalamannische Körperbestattungen des 4. bis 5. Jahrhunderts entdeckt. Beide Gräber waren durch langjährige landwirtschaftliche Aktivitäten bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Hals- und Brustbereich eines hier bestatteten Mädchens (Grab 2) befanden sich zahlreiche Glas- und Bernsteinperlen. Weitere Beigaben sind ein stark zerstörtes Keramikgefäß, mehrere kleine Beschlagteile aus Eisen, darunter einige Ziernägel, sowie ein Spinnwirtel. Im Hüftbereich lagen eine kleine bronzene Gürtelschnalle und eine größere Bernsteinperle. Nach aufwändiger Restaurierung ließen sich die Perlen vom Halsschmuck zu einem außergewöhnlichen, feingliedrigen Collier zusammenfügen, das aus gedrehten Ringperlen aus Bernstein unterschiedlicher Größe und Stärke sowie zylindrischen, ringförmigen, polyedrischen und  achterförmigen Ösenperlen aus dunkelblauem Glas bestand.

Aus der Völkerwanderungszeit sind bisher nur wenige Einzelgräber oder kleine Grabgruppen bekannt. Diese sind meist besonders reich ausgestattet und dürften Angehörige einer Oberschicht repräsentieren. Der reiche Kettenschmuck, der seit 2015 dauerhaft im Alamannenmuseum ausgestellt ist, bestätigt die soziale Zuordnung und zeigt mit den blauen Glasperlen aus römischen Werkstätten und den Bernsteinperlen die weitgespannten Kontakte des zugehörigen Familienverbandes. Chronologisch ist eine solche Perlenkombination in die 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts einzuordnen. Häufig sind zwei Kettenreihen – eine große, schwere Bernsteinkette und eine leichtere, die entweder ganz aus blauen und grünen Glasperlen besteht oder mit kleineren Bernsteinperlen kombiniert ist.

Objekt des Monats (September 2016)

Der Name der Stadt:  Älteste Urkunde aus dem Jahr 814
Der Name der Stadt: Älteste Urkunde aus dem Jahr 814 (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Der Name der Stadt:  Älteste Urkunde aus dem Jahr 814

Im Schlossmuseum zeugen zahlreiche Ausstellungsstücke und Dokumente von der über 1250jährigen Stadtgeschichte. Eines der für die Ortsgeschichte bedeutendsten Schriftstücke ist ein Faksimile der ältesten Urkunde aus dem Kloster Ellwangen von 814. Zugleich handelt es sich bei dem Original, das im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart aufbewahrt wird, um die älteste Urkunde in Baden-Württemberg.
Am 8. April 814 nahm Kaiser Ludwig der Fromme (814–840) auf die Bitten des Gründerabtes Hariolf das von Kaiser Karl dem Großen (768–814) bestätigte und privilegierte Kloster unter seinen kaiserlichen Schutz und gestattete der Abtei unter anderem die freie Wahl des Abtes. Das repräsentative Dokument mit den Ausmaßen von 55 cm Höhe und 63,5 cm Breite zeigt eindrucksvoll, dass die Verantwortlichen des Klosters Ellwangen bereits in dessen Frühzeit zum karolingischen Königshof Beziehungen pflegten und dort in großem Ansehen standen.
Die Urkunde enthält interessante Details. So findet sich dort eine der ältesten Bezeichnungen des Ortsnamens von Ellwangen: „ … in loco nuncupante Elehenvvang …“. Über die Bedeutung der Wortteile gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Bezeichnung „-vvang“ (-wang) wurde beispielsweise auf eine Hanglage hin ausgedeutet. Der Ortsname würde demnach so viel wie „Siedlung bei der Elchwiese“ bedeuten.
Die wertvolle und in lateinischer Sprache auf Pergament geschriebene Urkunde wurde in der königlichen Kanzlei zu Aachen ausgefertigt. Das Original-Diplom ist mit einem Brustbildnis Kaiser Ludwigs des Frommen gesiegelt. Der unbekannte Schreiber verwendete als Schriftart die Karolingische Minuskelschrift, damals die Hofschrift des fränkischen Reiches. Mehr über die Gründung Ellwangens erfährt man bis zum 4. Oktober in der aktuellen Sonderausstellung „Spurensuche mit Herrn Hariolf. Die Vita Hariolft (nicht nur) für Kinder“.

Objekt des Monats (August 2016)

Alamannischer Totenbaum aus Zöbingen
Alamannischer Totenbaum aus Zöbingen (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Alamannenmuseum Ellwangen -  Alamannischer Totenbaum aus Zöbingen

Der 1882 entdeckte alamannische Baumsarg aus Zöbingen, ein so genannter Totenbaum, wie er oft bei den Bestattungen des 6. und 7. Jahrhunderts Verwendung fand, ist erst seit 2008 im Alamannenmuseum ausgestellt. Seine ausgezeichnete Erhaltung verdankt er der örtlichen Geologie, denn in der im wasserstauenden Schwarzjuralehm angelegten Grabgrube sammelte sich das Grundwasser, so dass der Fund dank Sauerstoffabschluss unter Feuchtbodenbedingungen konserviert wurde. Hergestellt wurde er aus einem längs gespaltenen und ausgehöhlten Baumstamm, sein an den Enden abgeschrägter Deckel ist mit einer geschnitzten doppelköpfigen Schlange verziert, einem zu dieser Zeit weit verbreiteten Symbol. Die Schlange war wegen ihres besonderen Äußeren stets Gegenstand unheilabwehrender Rituale und galt als dämonisch und gefährlich, aber auch als klug, heil- und zauberkräftig. Da sie sich durch ihre jährlichen Häutungen zu verjüngen schien, wies man ihr Unsterblichkeit zu.

Zöbingen ist in Fachkreisen bekannt, weil dort schon 1161 ein erster Totenbaum zutage trat, der heute noch in der örtlichen Wallfahrtskirche St. Maria aufbewahrt wird. Weitere Exemplare, darunter auch unser Fund, wurden vom Zöbinger Totengräber angeschnitten, als man um 1880 den Ortsfriedhof neben die Marienkapelle verlegte. Forschungsgeschichte schrieben die Zöbinger Totenbäume in den 1970er Jahren bei der Entwicklung der Dendrochronologie als jahrgenauer Datierungsmethode. Heutzutage „zählen“ die Archäologen mit dieser Methode anhand der in den Funden erhaltenen Jahrringe der Bäume von der Gegenwart aus bis zu 10.000 Jahre zurück – bis es wegen der Eiszeit keine datierbaren Bäume mehr gibt. Lange war es ein Problem, die Lücke vom Mittelalter bis zu den Römern zu schließen, sie konnte schließlich mit Hilfe der Totenbäume von Zöbingen und Oberflacht bei Trossingen überbrückt werden. Dank des 2001 entdeckten „Leiergrabes“ aus Trossingen wissen wir auch, dass man sich die Schlange auf dem First eines Totenhauses vorstellte, denn dort war die hausförmige Grabkammer mit einer großen Doppelschlange verziert. Die beiden Nagellöcher in den Ecken verraten uns hingegen, dass sich die Alamannen vor möglichen „Wiedergängern“ fürchteten.

Objekt des Monats (Juli 2016)

Brotteigrelief
Brotteigrelief (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Relief aus Brotteig erzählt von großer Not

Zum Dank für überwundene Not und zur Erinnerung für nachfolgende Generationen stifteten 1818 die vom Elend betroffenen Bürgerinnen und Bürger der Oberamtsstadt Ellwangen ein Erntezugbild aus Brotteig. Dieses 43 x 60 cm große und bemalte Relief befindet sich heute im Schlossmuseum.

Durch schlechte Witterung und den daraus resultierenden Missernten herrschte in den Jahren 1816/17 großes Elend und eine dramatische Hungersnot im heutigen Ostwürttemberg. Der Begriff „Jahr ohne Sommer“ weist noch heute auf das damalige schlechte Klima hin. Die Ursache dafür waren Klimaveränderungen in Folge des Ausbruchs des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa (Indonesien) mit einer dramatischen Abkühlung des Weltklimas.

Im Archiv des Schlossmuseums befinden sich Abschriften mehrerer Anzeigen mit Spendenaufrufen für die verarmte Bevölkerung im Bezirk Ellwangen. Es fanden sich zahlreiche Spender, die den Bedürftigen aus der Not halfen.

Die zweite Jahreshälfte 1817 mit einer besseren, reicheren Ernte im Herbst brachte dann die Wende der großen Notzeit. Bei der Bevölkerung sind die schlimmen Ereignisse um 1816/17 jedoch im Gedächtnis geblieben. Das Dankbild zeigt Bürger in zeitgenössischer Tracht und hat auch deshalb einen hohen kulturhistorischen Wert. Dargestellt sind Erwachsene, Kinder und Tiere, teilweise unterteilt in verschiedene Stände wie Studenten, Lehrer, Geistliche. Beigefügt sind Dankverse aus der Heiligen Schrift und bekannten Kirchenliedern. Darüber hinaus finden sich auf dem Ernterelief Preisangaben, Maße und Gewichte des Jahres 1818. Demnach kosteten „1 Simer Erdbirn 12 Kreuzer“, „Brod 2 Kreuzer“, „Eine Gans 40 Kreuzer“ und „1 Henne 15 Kreuzer“. Bei den Getränken musste man für „Weisbier 1 Maas 3 Kreuzer“ bezahlen. Der Überlieferung zufolge wurde das Mehl zur Erstellung des Brotteigbildes aus der ersten Ernte des Sommers 1818 gewonnen.

Das Ellwanger Relief ziert das Titelbild der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Momente. Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg“ in der die Ereignisse um 1816/17 ausführlich geschildert werden.

 

 

Objekt des Monats (Juni 2016)

Das alamannische Goldblattkreuz aus Lauchheim, Grab 0 ist das Objekt des Monats Juni im  Alamannenmuseum (Foto: Museum).
Das alamannische Goldblattkreuz aus Lauchheim, Grab 0 ist das Objekt des Monats Juni im Alamannenmuseum (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Alamannisches Goldblattkreuz aus Lauchheim, Grab 0
 
Das Goldblattkreuz aus Lauchheim, bezeichnet als Grab 0, ist das erste Ausstellungsstück aus dem Alamannenmuseum, das in der neuen Reihe „Kunstwerk des Monats“ der Ellwanger Museen vorgestellt wird. Es stammt aus der Zeit um 660 n. Chr. und diente als Schmuck für das Leichentuch, was sich an den kleinen Nählöchern in den Ecken ablesen lässt. Die ungewöhnliche Grabnummer „0“ rührt daher, dass mit diesem Fund 1986 die langjährigen Ausgrabungen im alamannischen Gräberfeld in der Flur Wasserfurche am Westrand von Lauchheim begannen. Offenbar hatten die Ausgräber des damaligen Landesdenkmalamtes, heute Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart unter der Leitung von Dr. Ingo Stork diesen Fund erst nachträglich in ihre am Ende bis 1.308 reichende Grabnummerierung aufgenommen und fügten sie deshalb als „Nullnummer“ vorne an.

Berühmt wurde der Fund auch dadurch, dass von der Baufirma, die die Kanalgräben im neuen Industriegebiet anlegte, zunächst nur das halbe Goldblattkreuz abgeliefert wurde, inzwischen sind jedoch beide Teile im Alamannenmuseum zu bewundern. An dem Goldblattkreuz wurde auch deutlich, dass solche Ausstattungsgegenstände im Dorf selbst angefertigt wurden, denn das Goldblattkreuz aus dem benachbarten Grab 38 weist dieselben Modelabdrücke auf. Beide müssen also von derselben Hand hergestellt worden sein. Die auf das Gebiet der Alamannen, der Baiuwaren sowie der in Italien ansässigen Langobarden beschränkten Goldblattkreuze werden als christliche Symbole gedeutet und markieren die letzte Phase der frühmittelalterliche Beigabensitte, bevor diese um 700 n. Chr. endet.

Objekt des Monats (Mai 2016)

Kunstwerk des Monats - Kabinettschrank des Ellwanger Fürstpropstes
Kunstwerk des Monats - Kabinettschrank des Ellwanger Fürstpropstes (Foto: "Schlossmuseum Ellwangen")

Der Kabinettschrank im Ellwanger Schlossmuseum ist um 1670 in Augsburg gefertigt worden. Die Fuggerstadt war damals neben Tirol und Prag eines der wichtigsten Herstellungszentren dieser prunkvollen Möbel. Der in seiner monumentalen Größe nahezu einzigartige Schrank ist aus schwarz gebeiztem Ahorn, verziert mit vergoldeten Schnitzereien, Ruinenmarmor, Alabaster und Goldbronze. Der Schrank ist deshalb von solch herausragender Bedeutung, da im 19. Jahrhunderts viele Teile des kostbaren Mobiliars des Schlosses versteigert wurden. Somit ist heute im Schlossmuseum mit dem Kabinettschrank eines der wenig erhaltenen Prunkstücke der früheren Ausstattung zu sehen.
Der dreiteilige Schrank steht auf einem tischartigen Sockel, der von drei Atlanten getragen wird.

Im Mittelpunkt des Hauptgeschosses ist ein Alabasterrelief aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Auf dem Relief sind die Frauen des Perserkönigs Darius dargestellt. Ein dunkles Holzrelief im zweiten Geschoss zeigt Maria mit ihrer Mutter, der heiligen Anna. Vergoldete Figuren der weltlichen und geistlichen Tugenden schmücken den kuppelartigen oberen Abschluss des Schrankes. Die Bekrönung bildet die Göttin Minerva, Schutzgöttin von Handel und Gewerbe sowie Dichtkunst und Lehrberuf.

Im Schrank sind eine Vielzahl von fein polierten Platten aus Ruinenmarmor eingelassen. In kleine Platten aufgesägt, wirken diese Strukturen auf den ersten Blick wie ruinenartige Gebäude oder Landschaften.

Der Kabinettschrank im Schlossmuseum Ellwangen ist nicht nur ein edles, hochwertig gearbeitetes Möbelstück, sondern er diente in hohem Maße der Repräsentation und ist Ausdruck des Selbstverständnisses der hohen Geistlichkeit im barocken Zeitalter.



Stadt Ellwangen
Spitalstraße 4
73479 Ellwangen
Telefon: +49 (0) 7961 84-0
Telefax: +49 (0) 7961 84-310
info(@)ellwangen.de
Tourist-Information Ellwangen
Spitalstraße 4
73479 Ellwangen
Telefon: +49 (0) 7961 84-303
Telefax: +49 (0) 7961 5 52 67
tourist(@)ellwangen.de
Öffnungszeiten Tourist-Information
Montag und Mittwoch: 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr +
14.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Dienstag: 08.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr + 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Mai bis September zusätzlich:
Freitag: 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
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