JavaScript scheint momentan in Ihren Browsereinstellungen deaktiviert zu sein.
Bitte nehmen Sie eine Änderung dieser Einstellung vor und laden Sie die Webseite neu, um deren volle Funktionalität zu ermöglichen.
zum Seitenanfang

Tourismus

Aktuelles

ARCHIV: Sonderausstellung: "Bernstein - Gold der Germanen"

Das frühalamannische Bernsteincollier aus dem 4. Jahrhundert, das 2006 beim Bau einer NATO-Pipeline bei Bopfingen-Trochtelfingen gefunden wurde, bildet den Aufhänger für die neue Sonderausstellung zum Bernsteinschmuck der Alamannen, die ab 12. September im Ellwanger Alamannenmuseum gezeigt wird (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Yvonne Mühleis).

Vom 12. September 2015 bis 3. April 2016 ist im Alamannenmuseum die Sonderausstellung „Bernstein – Gold der Germanen: Das Collier von Trochtelfingen“ zu sehen. Mit der gemeinsamen Ausstellung des Kultur-, Presse- und Touristikamts Ellwangen und des Fördervereins Alamannenmuseum Ellwangen e.V. wird ein wertvoller Neuzugang im Museum begrüßt, denn das kostbare Bernsteincollier einer Alamannin des 4. Jahrhunderts, das 2006 im Egertal bei Trochtelfingen (Ostalbkreis) entdeckt wurde, soll nun dauerhaft ins Alamannenmuseum nach Ellwangen kommen. Dies ist ein willkommener Anlass, das Collier im Rahmen einer Sonderausstellung zum Thema Bernstein im Frühmittelalter zu präsentieren. Dieser in der mediterranen Welt hochgeschätzte Rohstoff war ein wichtiges Handelsgut der Germanen im Austausch mit den Römern und wurde vor allem von der Ostsee über die Bernsteinstraße nach Aquileia verhandelt. Auch bei den Germaninnen der Völkerwanderungszeit galt der Bernstein als Statussymbol und wurde von ihnen in prachtvollen Ketten sicherlich mit großem Stolz getragen. In der Merowingerzeit sind die Bernsteinperlen nur noch Teil meist sehr aufwändiger Halsketten, die vor allem von farbenfrohen und vielgestaltigen Glasperlen dominiert werden. Als Amulett am Gürtelgehänge von Frauen oder als magische Schwertperle der Kriegerelite spielten sie aber weiterhin eine wichtige Rolle.

Einen guten Vergleich zu dem Collier aus Trochtelfingen bietet die kostbare Halskette aus Bernstein und Glas, die zusammen mit einem silbernen Halsreif, einer Silberhaarnadel und zwei Amulettperlen aus Glas in einem Frauengrab der 1. Hälfte 5. Jahrhunderts in Bergheim, Kreis Dillingen an der Donau, gefunden wurde (Foto: Archäologische Staatssammlung München, Manfred Eberlein).

Ursprung an der Ostsee – Entstehung und Herkunft des Bernsteins
 
Vor 55-40 Mio. Jahren herrschte subtropisches bis tropisches Klima. Es war eine der wärmsten Phasen der Erdgeschichte. Auf „Fennoscandia“, einem Gebiet, das etwa dem heutigen Skandinavien entsprach, breiteten sich riesige Urwälder aus. Stürme und Insektenbiss verletzten die Bäume. Die Nadelbäume sonderten Harz ab, um die Wunden vor Infektionen zu schützen. Regen spülte das verfestigte Harz in Bäche und Flüsse. Meeresströmungen – die Ostsee bildete sich vor 13.000 Jahren – und Gletscher verfrachteten das honigfarbene Gut an die Küsten der Ost- und Nordsee, insbesondere an die Halbinsel Samland bei Kaliningrad.
 
Zwischen Mythologie und Naturwissenschaft – Tränen der Götter versus Kleiderbürste
 
Magische Vorstellungen und profane Verwendung als Schmuck- oder Gebrauchsgegenstand sind seit der Antike zwei Facetten des Bernsteins. In seinem Epos „Metamorphosen“ erzählt der römische Dichter Ovid (43 v. Chr. bis 17 n. Chr.), dass sich die Heliaden, die Töchter des Sonnengotts, als sie um ihren Bruder Phaethon trauerten, in Bäume verwandelten und ihre Tränen in Bernstein erstarrten. Die Tatsache, dass sich Bernstein (griechisch: elektron) auflädt, wenn er gerieben wird, war bereits dem griechischen Naturphilosophen Thales von Milet (um 624-547 v. Chr.) geläufig, nach diesem Phänomen wurde später die Elektrizität benannt. Wohlhabende Griechen befreiten mit Bernstein ihre Gewänder von Straßenstaub und Flusen.
 
Die Bernsteinstraße(n) – Handelswege der Bronze-, Eisen- und Römerzeit<ü>
 
Schon in der Bronzezeit muss es Handelswege zwischen Ostsee und Nil gegeben haben, die die Enden der damals bekannten Welt verbanden. In einem weitgespannten Austauschsystem wurde das Gold der Ostsee über die Alpen von Händlern zu Fuß, auf Ochsenkarren oder auch zu Pferd transportiert. Diese wichtigen Handelsrouten bezeichnet man auch als Bernsteinstraße. Hauptproduktionsstätte für Bernsteinobjekte war in der Eisen- und Römerzeit Aquileia an der Adria.
 
Gold der Germanen – Bernsteinschmuck bei Römern und Germanen
 
Rohbernstein war eines der wichtigsten Exportgüter der germanischen Stämme an der Ostseeküste. Eine einfache Bernsteinverarbeitung lässt sich dort schon im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. nachweisen. Gedrechselte Perlen, Ringperlen und achterförmige so genannte Berlockperlen finden sich dagegen erst ab dem 3. Jahrhundert n. Chr., einer Zeit, in der sie als kostbare Bestandteile von Halsketten auch in die Frauengräber gelangten. Auch in römischen Werkstätten wurde die Berlockform nach germanischem Geschmack in dunkelblauem Glas hergestellt.
 
Das Collier von Trochtelfingen – Bernstein in Kombination mit blauen Glasperlen
 
Beim Bau der NATO-Pipeline im Egertal bei Trochtelfingen, Ostalbkreis, wurden 2006 zwei frühalamannische Bestattungen des 4. bis 5. Jahrhunderts entdeckt. Diese dürften Angehörige einer Oberschicht repräsentieren. Im Hals- und Brustbereich des Mädchens in Grab 2 aus der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts befanden sich zahlreiche Glas- und Bernsteinperlen. Nach aufwändiger Restaurierung ließen sich diese zu einem außergewöhnlichen, feingliedrigen Collier zusammenfügen, das aus gedrehten Ringperlen aus Bernstein unterschiedlicher Größe und Stärke sowie zylindrischen, ringförmigen, polyedrischen und achterförmigen Ösenperlen aus dunkelblauem Glas bestand.
 
Magischer Stein – Amulettperlen bei Frauen und Männern
 
Wie die Grabfunde zeigen, kommen Halsketten im 5. Jahrhundert aus der Mode. Einzelne große Ringperlen werden jetzt in Brust- oder Gürtelgehängen getragen und fungierten vermutlich als Amulette. In der gleichen Zeit werden Bernsteine zum ersten Mal auch von Männern verwendet. Als magische Schwertperle sollten sie offenbar deren Träger schützen. Sie finden sich vor allem an den besonders wertvollen Schwertern hochrangiger Gefolgschaftskrieger. 

Immer eine Frage der Mode – Bernsteinschmuck der Merowingerzeit
 
Halsketten gehören im 6. und 7. Jahrhundert zu den geläufigsten Inventaren von Mädchen- und Frauengräbern. Ihre Perlenkombinationen sind für die zeitliche Einordnung sehr wichtig und lassen überregionale Modeströmungen, aber auch lokale Besonderheiten erkennen. Dies gilt auch für die Verwendung von Bernsteinperlen, auch wenn sie gegenüber den Glasperlen ihre Dominanz verlieren. Gegen Ende des 6. und zu Beginn des 7. Jahrhunderts sind die Bernsteinperlen fast völlig aus der Mode gekommen.
 
Von Ort zu Ort verschieden – Bernsteinschmuck aus Weingarten und Lauchheim
 
Die Reihengräberfelder von Weingarten, Kreis Ravensburg, und Lauchheim „Wasserfurche“, Ostalbkreis, gehören mit 801 und 1.308 Gräbern zu den größten frühmittelalterlichen Friedhöfen Südwestdeutschlands. Sie wurden von der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts bis in die Zeit um 700 genutzt und ermöglichen fundierte Aussagen zur Entwicklung des Bernsteinschmucks. Neben den großen Modeströmungen lassen sich aber auch lokale Unterschiede feststellen, bis dann mit dem Ende der Beigabensitte diese Informationsquelle versiegt.
 
Zu den Leihgebern der Ausstellung zählen die Städtischen Museen Heilbronn, das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz, die Archäologische Staatssammlung München, das Deutsche Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten sowie das Alamannenmuseum Weingarten.
 

Die farbenprächtige Halskette mit 43 Bernsteinperlen aus Grab 909 von Lauchheim aus der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts wird in der Sonderausstellung des Alamannenmuseums erstmals gezeigt (Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Yvonne Mühleis).

Die Ausstellung wird am Freitag, 11. September 2015, um 18 Uhr eröffnet, es sprechen Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, die 1. Vorsitzende des Fördervereins Alamannenmuseum Ellwangen, Dr. Petra Klein, die stellvertretende Direktorin des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg, Dr. Barbara Theune-Großkopf – sie hält die Einführung in die Ausstellung –, sowie Museumsleiter Andreas Gut. Begleitprogramm:
 
Führungen in der Ausstellung werden immer am ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr sowie nach Voranmeldung angeboten. Am Sonntag, 13. September 2015 findet anlässlich des Tags des offenen Denkmals von 11-17 Uhr ein Aktionstag „Bernstein“ mit Handwerkervorführungen und großem Schmuckverkauf im Alamannenmuseum statt. Valdas Meskenas, aus Litauen stammend und heute auf der Ostalb ansässig, ist Experte für baltischen Bernstein, führt die Herstellung und Bearbeitung von Bernsteinschmuck vor und bietet ein reichhaltiges Schmucksortiment zum Verkauf. Weitere derartige Aktionstage mit Valdas Meskenas finden am 8. November 2015, am 14. Februar 2016 und am 20. März 2016 von 13-17 Uhr statt. Daneben gibt es am Mittwoch, 25. November 2015 um 19.30 Uhr im Jeningenheim in Ellwangen einen Lichtbildvortrag von Corinna Eberth mit dem Titel „Die Magie der Farben – neueste Forschungsergebnisse zum alamannischen Bernstein- und Glasschmuck aus Lauchheim“. Auch der Museumsshop bietet während der Ausstellungsdauer ein reichhaltiges Sortiment zum Thema „Bernstein“ an.

NEU: Wegen der großen Nachfrage werden zusätzliche Führungen an folgenden Terminen angeboten, dabei ist nur der übliche Eintritt zu bezahlen:

Sonntag, 15. November 2015, 15 Uhr
Sonntag, 29. November 2015, 15 Uhr
Sonntag, 27. Dezember 2015, 15 Uhr
Ostersonntag, 27. März 2016, 15 Uhr.

Nähere Informationen sind beim Museum unter Tel. 07961/969747 sowie im Internet unter www.alamannenmuseum-ellwangen.de erhältlich.
 
Alamannenmuseum Ellwangen
Haller Straße 9
73479 Ellwangen
Telefon +49 7961 969747
Telefax +49 7961 969749
alamannenmuseum@ellwangen.de
www.alamannenmuseum-ellwangen.de
 
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 14-17 Uhr
Samstag, Sonntag 13-17 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Am 24., 25. und 31. Dezember 2015 ist das Museum geschlossen.

Stadt Ellwangen
Spitalstraße 4
73479 Ellwangen
Telefon: +49 (0) 7961 84-0
Telefax: +49 (0) 7961 84-310
info(@)ellwangen.de
Tourist-Information Ellwangen
Spitalstraße 4
73479 Ellwangen
Telefon: +49 (0) 7961 84-303
Telefax: +49 (0) 7961 5 52 67
tourist(@)ellwangen.de
Öffnungszeiten Tourist-Information
Montag bis Mittwoch: 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr +
14.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr + 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 08.00 Uhr bis 12.30 Uhr
Mai bis September zusätzlich:
Freitag: 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Samstag: 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Multi Channel Konzept
Multi Channel Konzept
Mit unserem Multi Channel Konzept können Sie die Internetseite auf Ihrem Tablet und Smartphone optimiert genießen.